Durchblick einer Leserin

F. Malik am Samstag, 10.09.2011 um 7:54 Uhr
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Frau Karin Binder, die des öfteren hier postet, hat heute das Folgende beigetragen (siehe auch in den Kommentaren). Ich mache es allen zugänglich, denn Frau Binder zeigt einen der wesentlichen Aspekte der Krisenentstehung und ihres möglichen Fortganges auf.

Solange sich das alte Denken in den Köpfen von Entscheidern nicht ändert, wird es so kommen:

US-Gebaren-Immobilien : die sogenannten rigorosen “Heuschrecken“ haben auch in Deutschland in diesen Jahren 2002 und danach ständig nur nach mehr Leveraging gerufen. Riesige Wohnanlagen-Pakete wurden von Privat oder vom Staat an Briten und Amerikaner verkauft, entweder in kleinere Päckchen aufgeteilt u. weiterverkauft oder durch Mieterhöhungen und/oder Verwahrlosung in einen traurigen Zustand versetzt. Durch Basel II (damals) ging so mancher Amerikaner “traurig“ wieder nach Hause, weil man von ihm immer noch zuviel EK verlangte. Unternehmen wurden 80-90% FK + Zinsen belastet etc.. Es könnten auch da noch einige Anschluss-Finanzierungen zusammenbrechen – mit deflationären Folgen . Dann sind die Aufkäufer von “non-performing-loans“ von Großbanken (gestern und morgen) mit ihrer sehr niedrigen Einkaufsquote vielleicht noch am besten bedient. Es scheint als bliebe in den nächsten Jahren kein Stein mehr auf dem anderen.

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3 Kommentare

  1. Gunter Wolf

    Daß die Banken damit zusehends Schwierigkeiten bekommen, ist an sich ja nur gerecht. So konnten die vier strukturierenden Banken der private-equity-Firma Blackstone im Zuge der Übernahme von Jack Wolfskin ihre Forderungen von ca. MEUR 500 bei einem Kaufpreis von MEUR 700 nicht weiter veräußern, was deren zukünftige Refinanzierungsmöglichkeiten einschränkt. Mein Mitleid ist da begrenzt.
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    Auch hat die Übernahme der ehemals kommunalen Dresdner Wohnungsbaugesellschaft durch FORTRESS/GAGFAH zu einer neuen Einstellung bezügich der Privatisierungseuphorie geführt.
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    Problematisch an dem ganzen ist aber eigentlich, daß ja nicht die neuen Eigentümer sondern die gekauften Unternehmen die neuen Schulden zu tragen haben und an den Zins- und Tilgungslasten im überiwegenden Fall zu scheitern drohen. Die wenigen Ausnahmen die dann regelmäßig von der private-equity-Szene ins Feld geführt werden, sind zumeist ein Alibi. Überwiegend wird darauf verwiesen, daß die Gesellschaften ihre Beteiligung erfolgreich weiterveräußert hätten. Als ob das ein Erfolg wäre. Getreu dem Grundsatz “Jedem Morgen steht ein Dummer auf, man muß ihn nur finden” ist dies keine wirkliche Kunst.
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    Damit werden aus ehemals vielleicht sehr guten Unternehmen ziemlich zügig Sanierungsfälle.
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    Und da die KKR´s, Blackstones dieser Welt ja nicht mit eigenen Geld sondern mit dem ihrer “Investoren” zocken, die vielfach Pensionsfonds, Versicherungen o.ä. sind, bekommt das ganze auch noch eine besondere moralische Dimension. Aber Hedgefonds, Private-Equity-Firmen u.ä. in ihrem neueren Verständnis sind ja auch nur so ein künstliches Finanzierungsvehikel, die man eigentlich nicht braucht und diese Erkenntnis wird sich durchsetzen, da bin ich mir sicher. Ihrer mausgrauen Vorgänger Kapitalbeteiligungsgesellschaften, die helfen aus Inventionen Innovationen zu schaffen, bedarf es hingegen sehr wohl.

    • Karin Binder

      Lieber Herr Wolf,
      ja genau – einige dieser Beispiele meinte ich auch – und noch viele andere, die Sie sicher auch kennen.
      Am Ende gibt es dann sogar noch Leute, die in Unternehmensanteile für 12,4% Zinsen in solche notleidenden, untergehenden Schiffe investieren / zocken. Ein “Schneeballsystem-Casino niedagewesener Kuriositäten gemanagt von lauter smarten Boys“. In London haben sich vor einigen Jahren die Developer gegenseitig die
      Immobilien zu Bestpreisen abgekauft – besser gesagt – im Grunde getauscht, damit die Marktberichte der Makler die Bräute für weitere Bank-Hypotheken schöner schmücken. beste Grüße Karin Binder

    • Fredmund Malik

      Sie gehören zu jenen wenigen, die in die Richtung der wahren Ursachen dieser Krise denken, nämlich das US-Shareholder-Value-Prinzip. Dort liegt einer der massgeblichen Gründe für das heutige Finanzdebakel und die fortschreitende De-Industrialisierung Amerikas. Bereits Mitte der 1990er Jahre hatten sich Finanz- und Realwirtschaft auseinanderzubewegen begonnen, und Wirtschaften wurde verwechselt mit Finanzen handeln und Schulden machen.