Aktienhöhenflüge der letzten Tage bedeutungslos

F. Malik am Samstag, 04.02.2012 um 19:23 Uhr
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Die Kursteigerungen der letzten Wochen ändern an meinem Grundszenario nichts. Im Posting vom 23. 1. erwähnte ich die lineare Weiterschreibung von kurzfristigen Trends als einen der fundamentalen Fehler im herkömmlichen Denken. Dieses ist zutiefst unsystemisch und es ist das sichere Programm dafür, dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr erkennen kann.
Gerade jetzt erfüllt mein Szenario eine seiner wichtigsten Funktionen, nämlich Sie sicher durch die kurzfristigen Fluktuationen zu steuern, und ihnen jederzeit den nötigen Überblick zu verschaffen.

An den Stockmarkets vollziehen sich die letzten Aufschwünge vor der grossen deflationären Talfahrt der Aktienmärkte, und mit ihnen so gut wie aller Sachgüter-Preise. Viele werden jetzt noch zu einem gänzlich falschen Handeln verleitet, nämlich Aktien zum ungünstigsten Moment noch zu kaufen, oft mit der Angst ansonsten von einer Inflation getroffen zu werden und sein Geld zu verlieren. Das Gegenteil wird eintreten: Leider werden sie in Aktien Geld verlieren, und wenn sie ganz kühl und ruhig ihr Geld in bar halten, werden sie später Aktien zu viel tieferen Preisen kaufen können, worauf man mit grosser innerer Geduld noch lange warten kann. Das ist der Wertzuwachs bei Bargeld, der ganz von allein eintritt.

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27 Kommentare

  1. Jürgen Clasen

    Sauber. Eine glasklare Ansage, Aufassung. Ich persönlich bin in dieser Sache gespalten. Die Einschüsse in das Finanzsystem können dem Gebilde noch ein zweites Leben schenken. Saldierte Daten kenne ich nicht, aber allein die EZB wird Ende dieses Monats weitere 1500 Mrd Euro einschießen.
    Ein Raketenforscher hat es einmal so formuliert: Mit genug Energie kann man auch ein Scheunentor zum Mond bringen… Nach meiner Meinung sind es, naturgegeben, noch unbekannte Ereignisse die den Kollaps triggern.
    Die Südflanke GR, I,ES,PT ist schon in einer Depression. F wankt. Im Iran wird gezündelt. Es ist wirklich vernünftig Bares zu halten.

    • Fredmund Malik

      Die EZB wird nichts eingeschossen, sondern Kredite zur Verfügung gestellt haben.
      Nur wenn diese in der richtigen Weise eingesetzt würden, wäre das die Energie, “um das Scheunentor zum Mond zu bringen”, denn ansonsten würde auch in der Physik die Energie als sinnlose Wärme verpuffen und nichts bewegen. Ich stimme aber zu, eine Zeitlang können die vermeintlichen Triebwerke noch “fauchen” und damit vorspiegeln, sie würden bald etwas bewegen …

      • Tonio Müller

        Was halten Sie von der These, dass die EZB Kredite zu einem Crack up boom (Ludwig von Mises) führen können bevor es wieder verstärkt zu Deflation kommt ?
        Vielen Dank für Ihre Einschätzung.

        Schöne Grüße aus München

        • Fredmund Malik

          Das erleben wir gerade seit März 2009 … Kredite verschärfen aber die Krise.

      • JBe

        Kann man auch empirisch belegen, ob die Aktien jetzt eher in die starken/gescheiten Hände gehen, oder bereits in die anderen?

  2. BL

    Sehr geehrter Herr Prof. Malik,
    mit großem Interesse lese ich seit einigen Monaten diesen Blog. Grundsätzlich ist Ihre Einschätzung / Prognose nachvollziehbar, aber für einen “Laien” wie mich (Bauingenieurstudium + Betriebswirt auf Abendschule) ist das ganze Finanzsystem doch sehr schwer zu durchschauen. Das können Sie als Fachmann sicherlich besser, von daher auch meine Frage.
    Bisher haben wir unsere Geldvorkommen aus Aktien raus gezogen und zunächst bei der Bank geparkt. Kurzfristig werden wir aber eine eigengenutzte Immobilie bauen (müssen). Den Bauplatz könnten wir bar zahlen, das Haus würden wir auf Kredit bauen lassen. Meine Sorge ist allerding, dass der Wert von Haus und Grundstück bedingt durch eine kommnde Deflation stark naclässt. Gibt es dafür eine Strategie? Ggf. das Bargeld halten und sowohl Grundstück als auch Haus finanzieren und in der Deflationsphase schlagartig tilgen? Oder relativiert sich der Effekt der Deflation auf lange Sicht(25-30 Jahre) bei einer eigengenutzen Immobilie?

    Ich denke, diese Frage wird sicherlich viele beschäftigen, die in naher Zukunft eine Investition tätigen möchten.

    Gruß
    BL aus dem Münsterland

    • Fredmund Malik

      Zur Zeit würde ich das Geld auf der Kante lassen, und ein Haus mieten, ganz kurzfristi, keine langen Verträge, es wird bald Monat für Monat billiger werden ..

      • Ludwig Szinicz

        In diesem Zusammenhang eine Frage bzw. eine Bitte um Ihren Rat.
        Wenn Sie für die Veranlagung (Werterhaltung) von € 20 Millionen liquiden Mitteln verantwortlich wären, was würden Sie tun.
        Vielen Dank für eine rasche Antwort.
        Ludwig Szinicz

        • Fredmund Malik

          Ich würde das Geld in ganz cash-nahen Festverzinslichen und die Hälfte auch in bar halten.
          Die kürzestlaufenden Staatsobligationen von USA und Deutschland halten sich am ehesten, obwohl auch das zu Ende geht.

  3. Hans-Jürgen Sopper

    Stimmt! Wobei das ganze Kasperletheater an der Börse absolut sinnlos ist. Welchen Sinn hat ein Kauf von Aktien? Welchen realen Wert schafft solch ein Akt?? Keinen! Es ist ein rein isoliertes Kaufen und Verkaufen- spekulieren- ohne einen realen Wert zu schaffen. Das wahre Motiv ist die Hoffnung und die Gier nach einem arbeitslosem Einkommen (Passiv-Einkommen). Und keiner weiß wohin die Kurse gehen werden. Selbst ein CEO von einer betroffenen Aktiengesellschaft weiss nicht, wie das nächste Geschäftsjahr aussehen wird. Woher sollte es dann der Aktionär wissen??

  4. Cord Tepelmann - TEPELMANN.MENTOR

    Ein durchaus ähnlicher Trend kann man m. E. derzeit auch auf dem Immobilienmarkt beobachten. Immobilien als alternative Geldanlage zum “guten alten” Sparbuch mit 0,5 – 1,5 % p. a. Zinsen o. ä. scheinen bei einigen wieder “in” zu sein. Folge (wenn auch kurzfristig): Immo-Preise steigen (in einigen Regionen mehr in anderen weniger). Chancen für die Eigentümer mit hoch fremdfinanzierten Immobilien, sich rechtzeitig zu entschulden. Für die frisch einsteigenden Investoren in Immobilien (als Alternative zu anderen Geldanlagen) wird das allerdings bedeuten, bei fallenden Sachwertenpreisen wird auch mein optimistisch angelegtes Kapital “sehr schnell weniger”, zumindest auf dem Papier (wenn der Anleger nicht wieder panisch zu niedrigeren Preisen verkauft). Hier könnte man die Kostolany-Empfehlung weitergeben: “Schlaftablette einnehmen und nach 30 Jahren mal wieder die Werte anschauen!”

    • Fredmund Malik

      Vor vielen Jahren habe ich im tirolerischen Alpbach mit dem grossen alten Herrn Andre Kostolany im Hotel Böglerhof über die Börse diskutiert, und er hat mit seinen schelmisch-verschmitzten Äuglein auf seinen Stock gebeugt in die Runde geschaut … îch hatte schon ziemlich viel Erfahrung, aber an dem Abend habe ich unendlich dazu gelernt ..
      Ja, einige werden sich in letzter Sekunde entschulden und heil herauskommen, die anderen werden untergehen.

      • Jürgen Clasen

        Was konnte der “große Alte”, Ihnen Herr Prof Malik,damals vermitteln ? Ihr Blog Beitrag “Woher ich die Börsen kenne?” zeigt, das Sie bei diesem “Kamingespräch” mit Andre Kostolany doch schon sehr kenntnisreich und erfahren waren. Ein ausgetragenes Kind, wenn ich das mal so formulieren darf.
        Und Sie haben sogar unendlich dazu gelernt. Das würde mich brennend interessieren, was Ihnen da zuteil wurde und ich würde auch zugern damit meinen Horizont erweitern bzw teilhaben wollen.

  5. Jürgen Clasen

    Viel Feind, viel Ehr… Herr Prof Malik.
    Ich würde zwar die Vermögensverwaltung Flossbach & von Storch nicht als
    feindlich einstufen, aber sie sehen in einem aktuellen Interview im Handelsblatt eine Inflation als wahrscheinlichste Problemlösung:
    “Die Entschuldung geht nur über Inflation“.
    Rezept: Aktien und Gold…
    Nach meinen Recherchen sehen das praktisch alle Vermögensveralter so.
    Eine deflationäre Entwicklung, wie von Ihnen beschrieben und vorrausgesagt,
    hat niemand auf dem Plan. Ich bin sehr gespannt wie das am Jahresende aussieht.

    Quelle:
    http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/anlagestrategie/flossbach-und-von-storch-im-interview-die-entschuldung-geht-nur-ueber-inflation/6148046.html

    • Fredmund Malik

      Wenn ich Vermögensverwalter wäre, würde ich auch so reden, selbst wenn mir die Wahrheit bekannt wäre ..
      Man stelle sich vor: Vermögensverwalter in einer Zeit der grössten geschichtlichen Deflation ..

      • Jürgen Clasen

        Gerade wird auf der Weltonline gemeldet, eine erneute Griechen rettung kostet den deutschen Michel 25 Mrd an Steuermitteln. Das ist natürlich zu den ersten Aussagen, wir würden mit den Hilfen sogar positive Einnahmen haben, völlig konträr. Für mich stellt sich die gesamte Situation so dar: Vom echten Sparen sind wir weit entfernt. Der gesamte Club Med bestreitet eine klassische Austeritätspolitik. Unter dem Strich allerdings gibt weiter satte Defizite. Das gleiche gilt natürlich auch für die üblichen Defizitsünder. Besonders die USA überragen mit 1000 Mrd +. Also trotz Sparhaushalte im Saldo weiter Defizitspending. Von einer Kontraktion kann noch nicht gesprochen werden. Die kommt erst wenn das System eine Überdehnung geht. Solange die Kreditvolumen noch weltweit noch wachsen, werden die Börsen angefeuert. Ich habe mich geirrt und schon vor mehr als 10 Jahren geglaubt, man könne das Spiel so nicht weiterführen. Kann man wohl doch.

  6. UW

    Was an den Aktienmärkten passiert, ist tatsächlich bedeutungslos und vor allem viel zu riskant. Schauen Sie sich die relevanten Konjunktur-Indikatoren an: Containerindizes, Lkw-Index. Der Baltic Dry hat im Januar zwei Drittel (!) verloren (Quelle: HB heute). Das kann man m.E. nicht mehr nur mit angebotsbedingten Überkapazitäten begründen. Es handelt sich um einen Rückgang der weltweiten Handelsaktivitäten (Nachfrage. Die Rezession ist also bereits im Gange und kommt in den nächsten Monaten auf uns zu. Einzig ist offen, wer wann wie lange und wie hart getroffen wird. Vielleicht kommen manche (z.B. kundenorientiert geführte Organisationen) ja mit einem guten Schnitt weg. Entstehen werden immer mehr Überkapazitäten und dadurch fallende Preise. Das ist nicht schwer zu verstehen und war ja erst 2008/2009 partiell zu beobachten. Keine Ahnung, ob oder für wen es diesmal schlimmer kommen wird. Angesichts der sekündlich weiter wachsenden Schuldenberge (es wird ja nirgendwo getilgt…) scheint aber klar zu sein, dass der Weg zurück ein längerer sein wird. Aufgeschoben ist eben nicht aufgehoben.

  7. M. A. Hugelshofer

    Danke für die – wie so oft – sehr wertvollen Antworten auf Leserfragen.

    Mit dem Wort “bedeutungslos” bin ich nicht ganz einverstanden. Bis vor kurzem habe ich mich auch sehr gewundert warum die Aktien-Börsen weltweit unerwartet nochmals hochschiessen.
    Dann kam die “Facebook IPO” Ankündigung und die Bärenmarkt-Rally bekam plötzlich einen tieferen Sinn.
    Wer die (finanzielle) Geschichte von Facebook mitverfolgt hat über die letzen Jahre, weiss welche mächtigen Kreise dort investiert sind. Und auch die Liste der Konsortialbanken spricht für sich:
    Morgan Stanley, JPMorgan Chase, Goldman Sachs, Bank of America-Merrill Lynch, Barclays Capital and Allen&Company

    sehr interessanter Artikel dazu auf GIGaOm:
    http://gigaom.com/2012/02/01/is-facebooks-ipo-the-start-of-something-or-the-end/
    verlinkter Artikel:
    The Red Giant > http://www.thereformedBroker.com/2012/01/02/the-red-giant-five-reasons-facebook-is-over/

    Damit ein solch Gigantischer Börsengang gelingen kann, braucht es ein “gutes Börsenklima”.
    Eben dieses wird jetzt mit allen Mitteln herbeigeführt (Massenmedien Propaganda).

    Somit hat das ganze (manipulierte) Theater sehr wohl eine Bedeutung:
    Deflation in Sichtweite!

  8. Trager

    mit den deflationären tendenzen hab ich so meine zweifel. einen starker dollar wird es wohl nicht zulassen:
    http://blog.markusgaertner.com/2012/02/10/das-saugen-der-weltkrake/

    • Fredmund Malik

      Ein starker Dollarkurs wird die Deflation massivest verstärken. Die Schulden sind auch dazu der Schlüssel. Sie finden dazu reichlich Info im Blog.

      • Sascha

        Herr Trager, meines Erachtens geht Gaertner in diesem Artikel vom Gegenteil aus, also von einem bewusst (durch QE, Niedrigzins) schwach gehaltenem Dollarkurs. Da nach Meinung Gaertners, sich die USA mit ihrem billigen Dollars verstärkt Industrie ins “Haus” holen, um Jobs zu schaffen und das massive Defizit in der Handelsbilanz zu reduzieren.

        Oder wollten Sie das auch so mitteilen? Danach gaebe es ja keinen ‘starken Dollar’ und keine Kreditbedienung in Dollar?

        • Fredmund Malik

          Der Dollar wird steigen, aus Gründen, die ich hier im Blog mehrfach genannt habe.

  9. Dr. Hartmut Falter

    Lieber Herr Prof. Malik,

    Bezug nehmend auf Ihren aktuellenn m.o.m Letter stellt sich bei dieser Einschätzung die Frage, wie man sein Geld am besten anlegen bzw. sein Vermögen sichern kann. Im Rahmen einer Deflation sind ja weder Immobilien, Aktien noch Edelmetalle “sicher”. Dann bleibt ja nur noch Liquidität in Form von Bargeld. Oder?

    Mit freundlichem Gruß

    Ihr Hartmut Falter

  10. Peter Pan

    Hallo Herr Malik,

    da scheine ich ja nicht falsch gelegen zu haben. Hatte mich vor kurzem entschieden, für meine Kinder ein Teil des Geldes in 10 Jährige Festgeldkonten anzulegen. Mir ging es hier eher um den Werterhalt, weniger dem Wertzuwachs. Naja hinterher wird man schlauer sein.

    PPan

    • Fredmund Malik

      Das Erhalten und Sichern von Werten ist das Wichtigste. Diese Strategie zahlt sich seit längerem mit Abstand am besten aus. Von Anfang 2000 bis Ende 2008 (Lehman) hat man mit Aktien rund 30% verloren. Hingegen mit US-TBills rund 30% gewonnen. Ich würde Ihnen empfehlen, nicht 10-jährige, sondern kürzer laufende Festgelder zu verwenden.