Geld auf der Bank: Was ist das eigentlich?

Als Ergänzung zum Liquiditäts-Posting von gestern: Wenn die Leute von Geld reden, meinen sie meistens Geld auf der Bank. Das ist aber kein Geld im engeren Sinne, sondern es ist bloss eine Forderung gegen die Bank. Falls die Bank bankrott macht, ist auch dieses „Geld“ weg, weil die Bank nicht mehr auszahlen wird. Jedoch ist die Forderung so lange sicher, als die Bank gesund ist und auch die Spareinlage-Versicherung funktioniert. Aber es ist nicht wirklich Geld.

Nur wenn ich Banknoten oder Münzen im Tresor der Bank habe, dann habe ich „Geld auf der Bank“, oder besser würde man sagen „Geld in der Bank“. Erst wenn man diesen Unterschied klar versteht, hat man den ersten – und schon einen grossen – Schritt zum Verstehen der Wirtschaft gemacht.

Autor: F. Malik

"Malik is one of the most influential business thinkers..." (Business Week) "Malik has become the leading expert on Management in Europe... He is a commanding figure - in theory as well as in the practice of Management." (Peter Drucker, Doyen of Management)

35 Gedanken zu „Geld auf der Bank: Was ist das eigentlich?“

  1. Guten Tag Professor Mailk,

    auch Dank Ihrer Hinweise werden die durch den Debitismus erklärbaren „Verwicklungen“ transparenter und die in den Forderungen ja eher versteckte Schulden- und damit Gläubigerproblematik transparent (vgl. Ihr Posting vom 15.07.2011: „Verkehrte Welt: Ein Schuldner- oder Gläubiger-Problem?“). Dafür zunächst meinen herzlichsten Dank.
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    Zum Thema: Ist aber Bargeld nicht letztlich auch bloß eine Forderung – nämlich ein mit wunderschönen Motiven und Guillochen sowie relativ guten Sicherheitsmerkmalen ausgestatteter verbriefter Schuldschein der jeweiligen Notenbank?
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    Wenn dem so ist, und man bei der EZB das ganze Drama um Staatsanleihenaufkäufe, Target 2-Forderungen, mangelhafte Interbankenfinanzierung usw. usf. mit in den Fokus nimmt, was ist diese verbriefte Forderung wert?
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    Nun könnte man entgegenhalten, dies sei ja kein Problem, weil die Träger der EZB mittelbar die Staaten über ihre nationalen Zentralbanken – bspw. die Deutsche Bundesbank mit aktuell 18,9373 % – sind und bei Verlusten o.ä. nachschießen müßten – über die FED mag ich gar nicht reden. Hier wären am Ende die privaten Mitgliedsbanken der 12 regionalen District-Notenbanken in der Nachschußpflicht, deren Bonität wahrscheinlich eher bei Triple-Z liegt 🙁
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    Wenn denn die europäischen NZB nachschießen müßten, tun sie dies ja in ihrer jeweiligen Landeswährung. Die dem Euroraum angehörigen NZB also in Euro, die nicht dem Euroraum angehörigen würden in Euro konvertieren.
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    Nun komme ich gedanklich noch nicht über folgende Hürde: Dieses (Buch)Geld haben die Staaten ja nicht in der Schublade und leihen es sich erneut am Geld- und Kapitalmarkt. Damit kommt eine erneute Schuldenspirale in Gang.
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    Die vermeintliche Bonität der EZB mag sich ja isoliert betrachtet verbessert haben, wobei ich Bonität hier nicht im Sinne von Zahlungsfähigkeit und Verschuldung sondern als inneren Wert verstehe. Die Bonität im Gesamtsystem ist günstigstensfalls aber nur gleich geblieben, wahrscheinlich aber schlechter geworden, weil mehr Schulden im Umlauf sind und dem kein erhöhtes produktives und damit zukünftig den gesamtwirtschaftlichen Wert mehrendes Kapital gegenübersteht. Das Bargeld liegt ja noch <>.
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    Wie kommt man also zu einer wirklichen Verbesserung des inneren Wertes im Gesamtsystem?

  2. Sehr geehrter Hr. Professor Malik,

    So gehen ist Ihr Ratschlag wegen der Deflation in Liquidität zu gehen bzw. zu bleiben theoretisch zwar richtig aber praktisch gar nicht durchführbar, weil sich die Kreditqualitäten gerade in der Deflation verschlechtern. Womit mein „Geld auf der Bank“ plötzlich zur wertlosen Forderung gegen eine Pleitebank oder gegen einen Pleitestaat wird.
    Also doch in Sachwerte investieren?
    lg ms

    1. Liquidität in der Deflation heisst ausschliesslich Bargeld, zu Hause oder im Tresor einer guten Bank, oder einer anderen Institution. Die Leute verwechseln eben gerade Forderungen mit Geld. Sehen Sie meine Antwort auf den Kommentar von G. Karp.

      1. Nur Bares ist Wahres!
        War schon immer der Spruch von meinem Vater gewesen. Er hatte viel Geld gespart und 80% in drei verschiedenen Banken verteilt gehabt. Ich hätte es ihm gleich nacheifern sollen. Lohnt sich! Kann auch sehr die travelcards empfehlen, davon kann man geich mehrere in den Safe mit hinzulegen. +/- bleibt einem erhalten was man hatte (von der inflation einfach mal abgesehen!) oder sind travelcards nicht mit Bargeld zu vergleichen?
        Britta Bleicken

        1. Für die heutige Zeit ein guter Rat Ihres Vaters. Bei Travelcards kommt es auf die Qualität der ausgebenden Bank an.
          Sie sind eine Forderung gegen die Bank, und nicht wirklich Bargeld.
          Vor Inflation brauchen Sie derzeit keine Angst zu haben.

          1. Vielen herzlichen Dank für Ihre Antwort, Herr Professor, ich bin ein Fan von Ihnen seit vielen Jahren und Ihre Rhetorik, einfach wunderbar.
            Alles Gute, Britta Bleicken

  3. Und wenn die Bank bankrott geht, was ist dann mit meinem „Geld in der Bank“? Ob Forderung gegen die Bank oder „auf der Bank“, wo ist bitte da der Unterschied?

    1. Da gibt es einen ganz grossen Unterschied, den ich absichtlich im Blog nicht gleich besprechen wollte, sondern mal abwartete, ob genau diese Frage kommt:
      1. Bei „Geld auf der Bank“ sind Ihre Forderungen an die Bank wertlos. Sie bekommen nichts mehr zurück, bzw nur noch die Konkursquote. Unter Umständen kann aber eine bestehende Spareinlagenversicherung Sie teilweise entschädigen.
      2. Bei „Geld in der Bank“: Wenn Ihr Geld im Tresor der Bank liegt, dann können Sie jederzeit Ihr Geld abholen, denn dort ist die Bank nur als Lagerhalter tätig, während sie im 1. Fall eben als Bank tätig ist.
      Sie sehen an diesem Beispiel die dramatischen Auswirkungen der Schuldenmechanik. Im ersten Fall sind Sie u. U. selbst bankrott. Im 2. Fall haben Sie alles gerettet.

      1. Sie haben am 15. August empfohlen, sich gedanklich damit zu befassen, dass man das Geld in bar in den Bank-Tresor legen kann und die nötigen Vorkehrungen dafür mit der Bank zu treffen. Sie haben aber auch durchblicken lassen, dass einlagengesicherte kurzfristig angelegte Einlagen auf einer sehr guten, ausser Zweifel stehenden Bank noch gut und sicher angelegt sind. Hat sich ihre Ansicht diesbezüglich geändert?

        1. Nein, bisher nicht. Es wird noch dauern, bis man tatsächlich Geld physisch vom Konto nehmen muss.
          Man wird das rechtzeitig erkennen, ausser die Regierungen würden in einem historisch einmaligen Überraschungs-Coup
          eine Währungsreform verfügen. Dann ist man mit beidem – Bargeld und Kontoeinlage – gleich schlecht gestellt.

          1. Sehr geehrter Herr Prof. Malik!
            Sie haben hier das Thema Währungsreform angesprochen.
            Es kommt in den Diskussionen in diesm Blog praktisch gar nicht vor.
            Wie schätzen Sie die diesbezüglichen Risiken und Auswirkungen ein?

            Mit besten Grüßen

          2. Sehen Sie das generell für alle Banken (Geschäftsbanken, Sparkassen, Genossenschaftsbanken) gleich ?
            Sind die Sparkassen und Genossenschaftsbanken aufgrund ihrer Refinanzierung durch Spareinlagen nicht als sicherer einzustufen als Geschäftsbanken mit ihrer Kapitalmarktrefinanzierung ?

            Schöne Grüsse aus München
            Tonio Müller

  4. sicher viel zu frühe Re-Aktion, aber aus unserer Praxis im August : Geld auf der Bank, Geld aus der Bank, (weil wir uns nicht immer i.d. Nähe unserer Bank aufhalten). Grössere Bank, München, größerer Betrag, Auszahlung in 2 Terminen, Wartezeit jeweils ca. 2-4 Tage, jeweils warten i.d. Bank ca. 1 Std, zählen ca. 1 Stunde in Gegenwart von 2 Bankangestellten….wenn das nur 10 Menschen pro Woche machen würden, wäre diese große Filiale mitten im Zentrum von München bereits überfordert.

    1. Richtig, darum muss man das rechtzeitig genug machen, so lange andere noch nicht daraufgekommen sind.
      Vielleicht ist man ein bisschen zu früh damit. Das ist aber unendlich viel besser, als zu spät. Eine Möglichkeit ist, das Bargeld im Banktresor aufzubewahren. Dann entfällt die Prozedur zum grossen Teil.

  5. Währungsreform wird sicherlich überraschend eintreten, und gerade weil es ein historisch einmaliger Coup wäre, für mich durchaus im Bereich des Möglichen. In diesem Fall wäre aber Ihre Deflationsstrategie (Bargeld) fatal…nur wer über Sachwerte verfügt, würde hier nicht ganz rasiert werden. Ich halte eine 50% Bargeld/50% Sachwerte Strategie für wesentlich risikoärmer. Bei Sachwerten eher keine Immobilien und vielleicht für die „Timing-Experten“ auch erst etwas später Aktien…das rechtzeitige Erkennen, wann man sein Geld von der Bank holt, ist auch nur was für die „Timinig-Experten“ (Stichwort Bank-Run).

  6. In den letzten Jahren habe ich mich intensiv mit dem Thema Geldanlagen auseinandergesetzt. Was mich vor allem interessiert hat war, wie die Reichen ihr Geld anlegen.

    Das Ergebnis: Reiche Menschen investieren ein Großteil ihres Vermögens in Sachwerte wie Immobilien und Aktien, wodurch ein regelmäßiges Einkommen erzielt wird (egal wie die Währung auch heißen mag). Ausserdem verfügen reiche Menschen meist über einen hauseigenen Tresor, der neben Schmuck und wichtigen Dokumenten auch Bargeld und Gold enthält.

    Daher können reiche Menschen weder von Inflation oder Deflation, noch von einer Währungsreform überrascht werden.

    1. Na ja, teilweise stimmt das. Nun kommt es aber darauf an, zu welchen Preisen die „Reichen“ ihre Anlagen gekauft haben. Wirklicher stabiler Reichtum wird immer in Zeiten einer Deflation erworben, nämlich dann, wenn diese am Ende ist und die Preise so niedrig sind, wie man es sich vorher gar nicht vorstellen konnte. 90 % oder 99% tiefer als am vorherigen Höhepunkt.
      Wer in der Inflation (Börsenboom usw. ) „reich“ wurde, verliert zumeist alles wieder, weil er sich auf die Deflation mental nicht einstellen kann.

  7. Zum Schulden machen gehören immer zwei, ein Gläubiger der das Geld besitzt oder eine Bank mit der Lizenz zum Geld drucken, der Schuldner leiht sich das Geld im Vertrauen auf seine Arbeitsleistung. Da das Geld aber schon vorhanden ist, wurde es zuvor schon durch Arbeitsleistung erwirtschaftet, meist von den selben Schuldnern die es sich jetzt leihen. Die Gläubiger hoffen damit die Arbeitsleistung des Schuldners grenzenlos steigern zu können. Was natürlich nicht auf Dauer funktioniert. Der Wert einer Arbeit sinkt mit zunehmender Zahl der Produzenten. Selbst ein Hochschulstudium garantiert keinen Arbeitsplatz. Die Erde wächst nicht mit der Bevölkerung mit. Zunehmende Masse kann nicht mit steigenden Werten und Qualität bedient werden.
    Zuletzt sind wir alle Verlierer !

  8. Aufgrund Ihres Hinweises, habe ich mich mal mit dem Thema Tresoranmietung beschäftigt. Es ist auffällig, dass im Prinzip alle Banken die Aufbewahrung von Bargeld ausschließen bzw. Bargeld nicht versichert ist. Aus Sicht der Banken ein verständlicher Schachzug.

    Auf diese Problematik wurde m.E. im Blog noch nicht hingewiesen. Bleibt doch nur der hauseigene Tresor??

    1. In Schweizer Banken kann man Tresorfächer bisher noch relativ problemlos mieten.
      Wogegen sollte man denn Bargeld im Bank-Tresor versichern? Wer in einer Bank mit so was argumentiert, hat noch ein bisschen wenig Kenntnisse.

  9. Bei meiner örtlichen Bank ist der Inhalt des Schließfaches gegen Raub, Feuer, Wasser usw. versichert. 60 cent pro 1000€ und Jahr
    mit freundlichen Grüßen

    Stefan Ludwig

        1. In der Tat, Herr Prof. Malik! Warten wir ab? Oder tun wir etwas dagegen? Ich bin bereit! Bin bereit ein Initiative zu starten. Gerne mobilisiere ich dazu auch Gunnar Heinsohn- wenn er will!! Nur warten und darüber reden macht keinen Sinn! Nur gemeinsam können wir etwas erreichen! Was meinen dazu? Sind Sie dabei?

        2. „Nur gemeinsam können wir etwas erreichen!“
          @Hans-Jürgen Sopper
          mhm man könnte ein Forum oder eine facebook-Gruppe dafür gründen, damit man vernetzt ist und solche Initiativen besser planen kann.

    1. Versichert von wem? Einer Bank oder einer Versicherung? Wenn man das Geld schon im Tresor aufbewahrt, dann gerade weil man es nicht auf einem Bankkonto haben will oder sonst eine Versicherungsgesellschaft (meist Kapitalgesellschaft) als Counterpart haben will. Denn die Versicherung ist wiederum nur eine Forderung, die Sie gegen einen Schuldner haben.

      Vielleicht etwas vereinfacht, aber im Zweifelsfall würde ich einen Tresor im Hause bevorziehen 😉

      Thomas

  10. Guten Morgen Herr Prof. Malik,

    ich denke, dieses Thema könnte man wunderbar am MZSG umsetzen.
    Ich denke dabei an eine Ausbildungsreihe und Fortbildungsreihe für Unternehmer, Führungskräfte, Top-Manager, Uni-Absolventen und ggf. Schüler.
    Themen könnten sein:
    1. Was ist Eigentum?
    2. Was ist Zins?
    3. Was ist Geld?
    4. In welchen Wirtschaftssystem leben wir wirklich?
    5. Welche Bedeutung hat dies für Unternehmen, Manager, Mitarbeiter,etc..?
    6. Wie muss man sein Unternehmen führen und welche Bedeutung hat dies auf Ressourcen, Qualität, Stabilität, Finanzierung, Kunden, Management, Innovationen,Strategie, Be-Wertung und Ent-Wertung u.s.w.

    Ich denke, der Aufklärungsbedarf ist enorm groß und somit auch das Interesse unser Wirtschaftssystem zu verstehen.Das Thema ist zu komplex als das es mit ein paar Vorträgen getan wäre. Nein, es muss ein kontinuierlicher Ausbildung – und Fortbildungsprozess etabliert werden. Das MZSG wäre für mich die ideale Institution dafür! Ich bin bereit! Ich bin mir sicher, dass auch Gunnar Heinsohn mit helfen würde!

    1. Lieber Herr Sopper, danke für Ihre Initiative. Was Sie vorschlagen, lässt sich natürlich machen. Besonders wichtig erscheint mir derzeit, die Informationen rasch zu verbreiten und am besten eigenen sich dafür wohl die Social Media.

  11. Hallo Herr Student,

    leider habe ich erst jetzt Ihren Kommentar gelesen.
    Ja, wenn Sie sich auch in der Eigentumsökonomie auskennen, können wir da gerne gemeinsam starten. Nur gemeinsam geht es voran. Bitte schreiben Sie mich über Facebook oder Xing an, dort finden Sie mein Profil.

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