Systems Out of Control

Nach einem der grössten ökonomisch-politischen Realexperimente der Geschichte können nur noch Ewiggestrige eine Hoffnung haben, dass die bisher eingesetzten Mittel funktioniert haben oder dass sie eine Chance auf zukünftiges Funktionieren haben. Nicht nur die direkt betroffenen Länder sind out of control, sondern auch die Ökonomie, als grösste Desinformations- und Irreführungsmaschinerie, sowie die Politik, die auf sie hört, weil sie mit der derzeitigen Demokratie-Praxis so miserabel organisiert ist, dass sie sich eine bessere Meinung anscheinend nicht mehr beschaffen kann.
Ich bin aber sehr optimistisch, gerade deshalb und gerade weil die Menschen jetzt auf die Strasse gehen … und gerade weil die richtigen Lösungen und Tools vorhanden und erprobt sind. Die Neue Ordnung kommt etwas später und mit etwas mehr Schmerzen, als es nötig wäre.

Autor: F. Malik

"Malik is one of the most influential business thinkers..." (Business Week) "Malik has become the leading expert on Management in Europe... He is a commanding figure - in theory as well as in the practice of Management." (Peter Drucker, Doyen of Management)

20 Gedanken zu „Systems Out of Control“

  1. Ja, eine neu Ordnung kommt. Aber erst nach dem Default. Gerade habe ich gewählt, NRW. Von den Straßenrändern grinen einem irgendwelche Kandidaten
    an, von denen man zuvor noch nie etwas gehört hat. Nach der Wahl versinken diese Herrschaften dann wieder als willfähriges hochbezahltes Stimmvieh im
    politischen Nirwana. Die würde ich am liebsten anschreien: Wenn am Ende nur ein sehr kleiner (inkompetenter) Kreis die Richtung bestimmt, wozu brauchen wir Dich dann noch ? Wir müssen durch ein finsteres Tal und Sie,
    Herr Prof. Malik, und alle die ihre Intension wohl verstanden haben, werden es in diesem System nicht abwenden können, auch wenn wir es noch so wollen. Nach der Krise werden wir hoffentlich wieder eine vertrauens-würdige Währung haben und mit unseren Premiumprodukten auf dem Weltmarkt punkten können. In der Karibik gibt es ja auch den US $ und den karibischen
    $ nebeneinander. Warum sollte das nicht auch in Europa möglich sein?
    Aber das ist natürlich nicht das vordringlichste Problem. Nach Weltkrieg
    II lag hier alles in Schutt und Asche. Hoffnungslos. Wir haben aber das Blatt wenden können und wir schaffen das auch erneut! Wieso ? Weil wir das wollen!

  2. Gibt es eigentlich ein historisches Beispiel dafür, wo ein Systemwandel ohne kompletten Zusammenbruch und Elend oder Krieg eingetreten ist?

    Mir fällt keines ein.

    Man möchte vielleicht China als Beispiel anführen, wenn man die 50 Millionen Hungertoten ignoriert, die als Folge maoistischer Politik umgekommen sind.

    Ich bin nicht besonders optimistisch, was das angeht, eben aufgrund des Mangels an historischen Beispielen.

    1. Bisher war es so. Auch diesmal wird es so sein, wenn man weitermacht, wie bis anhin. Es ist eine Zeit der kollektiven Orientierungslosigkeit. Mit unseren system-kybernetischen Tools ist eine radikale Schubumkehr aber möglich, und weil diese so ultraschnell wirken, ist es noch lange nicht zu spät.

      1. Ich wünsche mir sehr, dass Ihre Methoden den „Tipping Point“ erreichen, wie in Malcolm Gladwells gleichnamigem Buch beschrieben.

        Ich frage mich, ob die Syntegrationsmethoden ähnlich arbeiten wie das menschliche Gehirn.

        Empirisch habe ich sehr oft folgende Erfahrung gemacht: Eine Weile lang habe ich Informationen durch Lesen und Nachrechnen aufgenommen, immer mit dem Gefühl, Dinge nicht ganz verstanden zu haben. Als ich jünger war, war ich darüber sehr beunruhigt und habe versucht, Verständnis zu erzwingen.

        Tatsächlich aber scheint das Gehirn ohne unser bewusstes Zutun weiterzuarbeiten. Später wurden mir oft Dinge und Zusammenhänge klar, ohne dass ich in der Zwischenzeit bewusst darüber nachgedacht hätte. Irgendwie finden im Gehirn „Gärungsprozesse“ statt, die die aufgenommenen Informationsschnipsel weiterverarbeiten und integrieren. So manches fällt auch unter den Tisch, und die Erinnerung verschwindet.

        Ob eine Syntegration ebenfalls eine ähnliche „Gärung“ verschiedener Informationsschnipsel in Gang setzt?

        Obwohl es unwahrscheinlich ist, lässt mir meine Neugier wünschen, vielleicht eines Tages einmal eine Syntegration zu beobachten.

  3. Sehr geehrter Herr Prof. Malik, wie die allermeisten Blogleser bewege ich mich nicht auf der Ebene der National- oder Konzernökonomie, sondern in Projekten vergleichsweise kleiner Größenordnungen (< 15 Mio EUR). Es geht dabei um den Einsatz planungs- und baukybernetischer Methoden zur Kosten-, Termin und Qualitätslenkung, teilweise in Kombination mit Methoden aus Ihrem Hause. Spürbar ist, dass sich auf Auftraggeberseite – private Bauherren und Generalunternehmer – ein Sinneswandel vollzieht.

    Entscheider interessieren sich immer stärker (auch) für Hintergründe "kybernetischer / ungewöhnlicher" Vorgehensweisen & Tools. Konventionellen Methoden trauen sie wegen leidvoller Erfahrungen immer weniger über den Weg.

    Es käme jetzt darauf an, Methoden und Tools schnell & konsequent auf allen Ebenen zu etablieren und Ordnung "von unten" zu schaffen, denn: was ist die Alternative …

    Ich vermute, dass Ihnen und Ihrem Institut die wichtige Rolle zufällt, gleichgesinnte Kräfte zu bündeln. Wer sonst hat die Grundlagen so weit entwickelt und könnte Verantwortung über das Eigeninteresse hinaus übernehmen?

    1. Lieber Herr Puls, dieser Aufgabe gehen wir täglich mit aller Kraft nach. Wir machen dieselben Beobachtungen, wie Sie. Das Interesse an den Naturgesetzen des Funktionierens wächst enorm.

    2. Mich würde mal interessieren, mit welchen Tools man Megaprojekte wie z.B den Berliner Flughafen steuern kann. Mit MS Projects scheint es ja nicht zu funktionieren. Irgendeine Idee?

      1. Vor „Tools“ kommt Ausbildung, und zwar in kybernetischem Bau- und Immobilienprojektmanagement. Problem: Ausbildungsmöglichkeiten gibt es in Deutschland erst in Ansätzen (FH Erfurt, HS 21 Buxtehude, vielleicht haben noch ein paar andere Hochschulen sog. Wahlpflichtkurse – das wars).

        Vielleicht googeln Sie mal nach dem KOPF-System. Wenn man das Herzentrum Bad Oeynhausen als „Mega“ versteht, so ist dem Urheber Heinz Grote schon in den 1980er Jahren mit kybernetischen „Tools“ erstaunliches gelungen. Auch in Österreich gibt es Beispiele.

        MS Project kommt bei derartigen Projekten bestenfalls als besseres Grafikprogramm für vernetze Balkenpläne zum Einsatz.

        Vorher müssen auch bei Mega-Projekten die Hausaufgaben gemacht werden, zum Beispiel das Gestalten von qualifizierten Planungs-, Ausführungsprozessen & Kommunikationsstrukturen. Hier sind neben den bauspezifischen KOPF-Methoden die MalikManagement – Tools äußerst interessant (EKS, Sensitivitätsanalysen, IMS, VSM etc.).

        1. Grundsätzlich haben Sie recht. Aber manche Tools sind so toll, dass man sie sehr schnell erlernen kann.
          Das KOPF-System kenne ich, schade um Grothe. Ich selbst bin Vorstandsmitgleid bei der Österr.Ges.für Baukybernetik, wo KOPF ja in Österreich zuhause ist. Unsere weiteren Systeme und Tools erwähnen Sie selbst, vielen Dank.

  4. Ich glaube, es ist nötig, dass wir vom Wachstumsgedanken Abschied nehmen. Zumindest in der heute verstandenen Form als Quantitätsbegriff. Heute wäre ein Wachstum an Qualität notwendig. Das nennt man dann jedoch nicht mehr Wachstum sonder Verbesserung. Das aktuelle Wirtschaftssystem belohnt letztinstanzlich jedoch nicht die Qualitätssteigerung. Es geht vornehmlich um Masse, was in früheren Zeiten vielleicht auch einmal sinnvoll gewesen sein mag. Masse (auch Menge, Volumen) bedeutet Grösse und die wieder Macht. Macht drückt sich dann in oligopolen oder auch monopolen Strukturen aus, was zu einer marktbeherrschenden Stellung führt und die höchsten Gewinne aller Methoden verspricht.
    Ich erwähnte in Ihrem letzen Posting, dass der Mensch heute einen um 50% zu hohen Energieumsatz in das Biosystem der Erde einbringt. Gestern dann veröffentlicht der Spiegel ein Studie des WWF, in der von einem ökologischen Fussabdruck des Menschen berichtet wird, der eigentlich 1,5 Erden benötigte:
    http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/wwf-studie-kritisiert-raubbau-an-der-natur-a-833141.html
    Wohlstand entsteht durch Verbesserung, nicht durch eine blosse Quantitätssteigerung.

      1. Lieber Herr Professor Malik,
        was halten Sie vom nachstehenden “Postwachstumswirtschaftsgedanken“ ? Es erinnert teilweise etwas an das Gefangenendilemma oder regeln sich diese Dinge sowieso durch die “unsichtbare Hand“ ?

        http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/wie-unternehmen-ohne-wachstum-ueberleben-wollen-a-832260.html

        Wir setzen derweil (mangels anderer Einflüsse von unserer Seite auf die Wirtschaft ) hauptsächlich auf unser Salatwachstum und Brotbacken bei den aufkommenden Zeiten.

        herzlichste Grüße aus Ligurien
        Karin-Maria Binder

    1. Hallo Herr Linse,

      es gibt ja bereits Beispiele für Unternehmen, die auf Wachstum von Qualität anstelle von Quantität besonders viel Wert legen.

      Das sind die Produktionsstätten von Toyota und deren direkte Zulieferer.

      Durch das weltweit überlegene Toyota Produktions-System, oder Synchrones Produktions-System (SPS), reduziert Toyota permanent Verschwendungen. Beim Material, bei den Gehwegen, beim Verschleiß des Menschen und der Maschinen, bei Umweltverschwendungen, Energie, etc.

      Toyota baut ausschließlich Fahrzeuge, die bereits verkauft sind. Einzig nach der Katastrophe 2011 hat Toyota Fahrzeuge auf Halde produziert. Das schafft kaum ein anderer Produzent.

      In Deutschland nutzen nur 10%* der Produktionsbetriebe im Mittelstand SPS. Im Handwerk kenne ich keinen Betrieb.

      Besonders interessant an SPS ist, dass es nur durch permanente Rückkopplung zwischen den Menschen im Unternehmen funktioniert. Das macht Toyota durch visuelles Management. Das Viable System Model findet dort meiner Ansicht nach permanent Anwendung.

      Das Management in den Betrieben muss neue Methoden einsetzen wollen.

      Gruß
      Thorsten Podlech

      *Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Toyota-Produktionssystem

  5. Für wie realistisch halten sie folgendes Szenario:
    Griechenland geht nun bekanntlich in die Neuwahlen. Die Griechen bekommen Panik und ziehen Geld ab. In 4 Wochen gewinnen die radikalen Kräfte. Die Unruhen dort nehmen massiv zu. Die Griechen wollen keine weiteren Schulden tilgen und müssen in die Insolvenz. Aufgrund der vielfältigen Medienberichte wird es auch in anderen Ländern wie Spanien und Italien zu mehr tumulten kommen. Im Sommer werden durch druch die Urlaubsreise auch die Deutschen mitbekommen, wie es rund um D steht. Auch hier schindet die Zuversicht, auch weil parallel China schwächelt. Im Herbst dann geben die Preise für Aktien massiv nach.
    Realistisch? Zu pessimistisch? Was passiert mit und in den USA?

    1. Realistisch, und hier im Blog oft beschrieben, und ausführlich in meinen Büchern. Das Szenario heisst „Deflationäre Depression“. Das ist sonnenklar .. Die Voraussetzungen dafür haben sich seit Mitte der 1990er Jahre zusammengebraut. Schon in meinem Buch 1991 über „Krisengefahren in der Weltwirtschaft“ stehen dafür die Gründe. In den USA wird es noch schlimmer als hier, und auch China bleibt nicht verschont – ausser man setzt neue Methoden und Mittel ein.

      1. Sehr geehrter Herr Professor Malik,

        was sie am Beginn dieses Blogeintrages bescheiben ist ein erster kleiner Appetithappen. Mich persönlich stört, dass es immer nur ein winzig kleiner Appetithappen ist der am Ende auf die „erprobten Tools“, andere Blogeinträge oder ihre Bücher verweist. Es gibt keinerlei kurz zusammengefaßte Begründungen warum das alte nicht mehr funktioniert bzw. warum nur das neue funktioniert. Es gibt auch keine genauen Hinweise deren Genauigkeit über das nennen des Buchtitels hinausgeht. Praktisch jedes andere Blog oder sonstige Internetveröffentlichungen benennt konkrete Dinge, baut Argumentationslinien auf um eine bestimmte Position deutlich zu machen. Bitte begründen Sie wenigstens einmal ausführlich warum diese Schreibweise in ihrem Blog keinen Sinn macht. Für mich würde es sehr viel Sinn machen. Ich kann es mir nicht vorstellen aber vielleicht habe ich mich immer noch zu wenig mit Kybernetik beschäftigt um zu verstehen warum in ihrem Blog kleine Informationshäppchen die bestmöglichste Informationsmethode sind.
        Mit freundlichen Grüßen

        Stefan Ludwig

        1. Lieber Herr Ludwig, einerseits kann ich Ihr Interesse gut verstehen und es freut mich. Andererseits würden Sie wahrscheinlich auch nicht erwarten, dass die Funktionsweise eines modernen Computer Chips im Detail in einem Blog erklärt wird. In meinem Buch über Strategie, 3. Band der Reihe Komplexität meistern, finden Sie das meiste.

  6. Bundesfinanzminister Schäuble spricht sich für eine Direktwahl eines europäischen Präsidenten aus. Bundesfinanzminister Schäuble: Wir müssen jetzt eine politische Union in Europa schaffen. Irgendwo hat man das Gefühl der BFinM ist in den Panikmodus gefallen. Erster Präsident wird…
    Wolfgang Schäuble…Der Mann träumt und türmt auf die schon aussichtslosen
    Probleme noch neue drauf. Die Vereinigten Staaten von Europa kann es geben,
    nach einer echten Konvergenz. Der griechische Präsident ist so frei einen Bank run herbei zu reden. Controlverlust nimmt klar zu.

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