Die Komplexität von Systemen: Zur Kybernetik des EU-Beitritts von Kroatien

Von Sonntag auf Montag tritt Kroatien als 28. Land der EU bei – ein scheinbar kleiner Schritt. Was macht es schon aus, werden viele denken, ob ein Staat mehr oder weniger dabei ist? Es macht einen gewaltigen Unterschied, und dieser macht unter den heutigen Funktionsregeln die EU noch unregierbarer als sie es ohnehin schon ist. Um wieviel unregierbarer? Das kann man mit Kybernetik und ihrer wichtigsten mathematischen Methode, der Kombinatorik, berechnen. Obwohl nur ein einziges Land hinzukommt, steigt die Anzahl der möglichen Beziehungen von rund 702 auf 756, also um rund 8%. Noch immer überschaubar, wird man sagen.

Nun können die Beziehungen zwischen Kroatien und den anderen Mitgliedern im einfachsten Falle aber gut oder schlecht sein, wenn wir davon absehen, wieviele Möglichkeiten es für „gut“ und „schlecht“ gibt. Die Anzahl der Beziehungen steigt daher auf von 2 hoch 702 auf 2 hoch 756. Das ist eine hyperastronomische Zahl. Jede dieser Beziehungen muss irgendwie gemanagt werden. Nur schon die Zahl der ÜbersetzerInnen steigt um mindestens 27 zusätzliche Personen – tatsächlich aber um weit mehr, wenn man Dinge, wie Schichtbetrieb und dgl. genauer untersucht.

Die Kybernetik als die Wissenschaft vom Funktionieren hilft, das Problem der Komplexität von Systemen besser zu verstehen. Die Komplexität wiederum ist wesentlich für die Frage, welche Steuerungs- und Regulierungssysteme ein System braucht, um zu funktionieren.

Wichtig ist zuerst die Anzahl der verschiedenen Elemente eines Systems. Hat es viele Elemente, ist es schwieriger zu verstehen als wenn es nur wenige hat. Nun haben wir aber ein System erst dann, wenn zwischen seinen Elementen Beziehungen bestehen. Die Anzahl der möglichen Beziehungen zwischen n Elementen folgt – wenn die Beziehungen unsymmetrisch sind, was hier der Fall ist – der mathematischen Formel n (n-1). Zwischen 2 Elementen gibt es also 2 Beziehungen, zwischen 3 Element sind es schon 3 mal so viele, nämlich 6; zwischen 4 Elementen dann doppelt so viele, nämlich 12, zwischen 5 Elementen bereits 20 und zwischen 6 Elementen sind es schon 30 Beziehungen. Das genügt aber noch nicht, denn für das Funktionieren kommt es auch auf die Art der Beziehungen an. Nehmen wir an, dass jede Beziehung nur 2 Zustände haben kann, so gilt für die Mindestzahl der Gesamtzustände die Formel 2 hoch n (n-1) …

Autor: F. Malik

"Malik is one of the most influential business thinkers..." (Business Week) "Malik has become the leading expert on Management in Europe... He is a commanding figure - in theory as well as in the practice of Management." (Peter Drucker, Doyen of Management)

71 Gedanken zu „Die Komplexität von Systemen: Zur Kybernetik des EU-Beitritts von Kroatien“

  1. Durch die Bildung von teilautonomen, selbstorganisierten Sub-Systemen, könnte man diese enorme Kompliziertheit reduzieren. Was wären sinnvolle Sub-Systeme? Nach Regionen, Wirtschaftskraft, Grösse, Sprach- und Kulturraum, Mitgliedsdauer?

    Wie wären die Beziehungen zwischen diesen EU Sub-Systemen zu gestalten? Was könnte ihre Identität und Sinn stiftende gemeinsame Klammer (Mission) sein, wie die „Bill of Rights“ in den USA?

    PS: was hält eigentlich das in sich sehr heterogene China zusammen? Der repressive Staat? Die lange gemeinsame Geschichte?

    1. Es liegt weniger an den Subsystemen, sondern am Metasystem, d.h. an jenen übergeordneten Systemen, die heute die Subsysteme behindern, statt sie zum Funktionieren zu befähigen.

  2. Ihre Mathematik ist nicht zu widerlegen, Herr Prof Malik, und Ihre Methoden
    und Tools dürften die Sache beherrschbar und steuerbar machen. Mein Ansatz zu solchen Sachen, gehen in eine andere Richtung. Problemreduktion durch
    fundamentale Grundsätze. Aufrichtigkeit gepaart mit gesundem Menschen-verstand. Das heißt konkret, Kroatien wird erst garnicht in die EU aufgenommen. Das Land erfüllt besonders mit seinem korrupten Hintergrund keine Basis dafür, in eine Gemeinschaft von aufrichtigen Partnern aufgenommen zu werden. In der EU sind schon genug solcher Fehlaufnahmen versammelt. Auch hier bedarf es einer Bereinigung und schon haben wir die Komplexität reduziert. Italien hat. ähnlich wie Griechenland, durch tolerierte Finanztricks den Aufstieg in die EWU geschafft und mich würde es nicht wundern, wenn Herr Draghi massgeblich dabei mitgewirkt hat. Die EU und die EWU sind im Grunde Organisationen die sehr subtil dazu ein-gesetzt werden legalen und illegalen Betrug zu organisieren. Die gehören
    total auseinander genommen. Ziel: eine europäische Friedensunion mit fairen
    Bedingungen. Komplexität macht so deutlich weniger Kopfschmerzen.Wir müssen an die Fehler ran! Stopft das Loch im Eimer!

    1. Herr Clasen, ich bin mit Ihnen zu ca. 3/4 einverstanden. Der letzte Viertel differiert, weil m. E. die EU als Organisation per se schon lange ihre Glaubwürdigkeit verspielt hat (falls sie denn je einmal welche hatte):

      Eine Organisation, welches eine Norm zur richtigen Grösse von Kloschüsseln und -deckeln (!!) erlässt und dann noch derart verschiedene Länder unter einem Deckel vereinigen will, hat weder die Prioritäten unserer Zeit noch das Grundprinzip der Komplexität verstanden und vergeudet nur unsere Steuergelder. Die Folge: Wir müssen alle solidarisch für die Fehler des anderen unsere eigenen Köpfe hinhalten, ohne etwas zu deren Behebung mitbestimmen zu können.

      Ein solcher Moloch mit derart starren Regeln kann in der Realität nicht funktionieren, ausser durch staatliche Gewalt. Das hat sich in der Geschichte schon gezeigt – oder weshalb ist die UdSSR nach dem Fall des Kommunismus in ihre Teilstaaten zerfallen? Warum konnten sich das Römische Weltreich und das British Empire nicht behaupten?

      Mein Vorschlag: Ersetzen wir die EU durch einen Freihandelsraum (sprich: EWR). Damit würden wir viele Probleme automatisch beheben. Vgl. Auch: UdSSR –> GUS, Empire –> Commonwealth.

      1. Angenommen, Sie sind ein Hersteller von WC-Becken aus Keramik und wollen aus dem EU-Ausland passende Klodeckel zukaufen.

        Angenommen, im ersten Fall gibt es eine Euronorm EN 0815/4711 für Klodeckel. Der ausländische Hersteller schreibt: „Unsere Klodeckel sind nach EN 0815/4711 dimensioniert.“ Sie haben die EN in deutscher Sprache vorliegen, der andere in seiner Heimatsprache. Reduziert das Risiko von Fehlverständnissen oder vermindert es das, wenn jeder die Norm in seiner eigenen Sprache lesen kann?

        Angenommen, im zweiten Fall regelt jedes Land die Maße der Klodeckel selbst, weil das ja jedes Land selber am besten weiß. Sie wollen einkaufen und sehen, dass die Deckel mal nach BE-1234 genormt sind, ein anderes Mal nach PL-5678, und dann nochmal nach IT-9123. Nun müssen Sie jede einzelne nationale Norm besorgen um zu schauen, ob der Klodeckel auf Ihre Schüssel passt. Dazu müssen Sie mal französisch, italienisch oder polnisch lesen können. Reduziert das die Komplexität und den Aufwand oder vergrößert es ihn erheblich?

        Es ist leicht, über solche Normen zu polemisieren, aber wie wollen Sie einen Binnenmarkt ohne solche Normen effizient organisieren?

        1. In einem Punkt gebe ich Ihnen recht: Noch mehr Normen machen das Ganze noch komplexer.
          Meine Überlegung ist aber eine ganz andere: Wozu brauchen wir diese Normen ÜBERHAUPT? Jeder, der eine annähernd normale Schulbildung genossen hat, kann Massangaben in cm verstehen. Ich finde es wesentlich komplizierter, jedes Mal nachschauen zu müssen, was unter der Norm BE-1234 zu verstehen ist, als eine entsprechende technische Zeichnung zu lesen.
          Als langjähriger Unternehmer und VR-Präsident eines traditionsreichen Unternehmens in der Automationsindustrie kann ich Ihnen eines sagen: mehr Normen = mehr Aufwand, um diese zu respektieren, welcher der Kunde aber nicht zu bezahlen bereit ist (dies aber dennoch erwartet) = Schmälerung der Marge durch Gesetze.
          Und genau darum geht es: um den liberalen Grundsatz „so viel Staat wie nötig, so wenig wie möglich“. Einen Staat braucht es, doch soll er sich auf seine Grundfunktionen beschränken.

          1. Eine der grossen Entdeckungen der Kybernetik, das Viable System Model – von Stafford Beer 1972 in seinem „Brain of the Firm“ publiziert -, ist für solche Fragen eine wunderbare Hilfestellung. Unter anderem gehört dieses zu den Lösungen, Systeme zu befähigen, sich selbst zu organisieren. Die Maxime ist: Organisiere ein System so, dass es sich selbst organisieren und regulieren kann. Der erste Teil des Satzes ist eine Norm; der zweite Teil des Satzes beschreibt die Konsequenz dieser Norm. Übernormierung erstickt die Selbstregulierung von Systemen und führt zu ihrem Untergang, weil die Komplexität nicht mehr gemeistert werden kann. Unternormierung hingegen führt tendenziell ins Chaos.

            1. Sehr geehrter Herr Prof. Malik,
              Zum Voraus: Ich habe ein paar Methoden (besonders die EKS) bei mir mit Erfolg anwenden können und bin sicher, hier noch mehr herausholen zu können.
              Auch bin ich mit Ihrem letzten Satz einverstanden, doch ist er m. E. sehr allgemein gehalten. Konkret stelle ich in meiner Wahrnehmung eher eine ÜBER-Normierung fest.
              Eine Anekdote von den 90er Jahren: In der FDP Kanton Solothurn habe ich einmal erfahren, dass es in Dänemark (soweit ich mich richtig erinnere) ein Experiment gegeben habe, bei dem SÄMTLICHE TEMPOLIMITS UND VORTRITTSREGELN in einer Gemeinde AUSSER KRAFT gesetzt wurden. Die Folge waren etwa nicht mehr Unfälle, sondern das Gegenteil: Die Verkehrsteilnehmer musste nämlich besser aufpassen. Die direkte Quelle habe ich leider nicht (mehr), doch habe ich diese Geschichte vom damaligen Präsidenten, Dr. Ruedi Nützi, erfahren (wir haben sie natürlich als Partei auch für unsere liberale Haltung gebraucht).
              Und darauf will ich hinaus: Ein System kann sich m. E. nur selber organisieren, wenn die Systemteilnehmer in der Lage sind, selber Entscheidungen zu fällen und Verantwortung zu tragen – auch ohne übertriebene Normen. Wie sehen Sie das?

            2. Diesen Ansatz kann ich aus der Praxis nur bestätigen. Systeme ohne Regulierung verlieren ihren Fokus. Die Menschen beschäftigen sich dann gemäß ihrer Natur mit eher belanglosen Dingen, die in ihrer Summe zu keinem nennenswerten kollektiven Ergebnis führen. Wenn überhaupt, dann können hier nur egoistische Interessen Fuß fassen.
              Im Gegensatz dazu schränken zu eng gefasste Systeme in ihrer Organisation den Fortschritt extrem ein, da hier wirkliche Ideen scheitern. Vor allen Dingen bei grundlegenden, unvorhersehbaren Lageänderungen.
              Ein Beispiel dazu aus dem Militär: Befehlstaktik (eng gefasstes System ohne großen Handlungsspielraum) vs. Auftragstaktik (das Ziel wird definiert, der Weg ist allerdings variabel und bis auf einige Regularien – Zeit, Raum, Kräfte – selbst zu bestimmen). Ein interessanter Ansatz, der es im Optimalfall jedem Individuum erlaubt, seine Stärken einzubringen und zur vollen Entfaltung zu verhelfen.
              Es gibt noch viele weitere gute Ansätze, die sich auf die zivile Wirtschaft übertragen lassen, z.B. bestimmte Grundsätze (wie sie auch in „Führen, Leisten, Leben“ erklärt werden): Wirkung vor Deckung als Beispiel.
              Diese Grundsätze führen zur Selbstregulation.

              1. Anmerkung zum letzten Absatz:

                Meine Formulierung kann zum Missverständnis führen. Das Beispiel bezieht sich nicht auf das Buch von Herrn Prof. Malik als Inhalt, sondern es ging um das Verständnis der Notwendigkeit von Grundsätzen. Grundsätze, wie sie in „Führen, Leisten, Leben“ vorausgesetzt werden, damit erst die Werkzeuge und Aufgaben greifen können.

                Jeder Bauherr wird mir zustimmen: Ohne solides Fundament, kein stabiles Haus.

          2. Ich denke, das Normen grundsätzlich nicht schlecht sind und zur Vereinfachung dienen können. Das Problem ist eher darin zu suchen, dass Normen häufig durch Nutznießer verfasst werden – und sonstig betroffene nicht involviert werden. Wozu das führt ist klar …

          3. Ich gebe Ihnen dahingehend recht, als eine Übertreibung der Normierung sicher ebenfalls kontraproduktiv ist.

            Aber mein Argument war ja gerade folgendes: EINE Norm für ganz Europa, statt 28 Normen.

            Sie bauen Ihre Kloschüssel nach EN 0815/4711, Ihr Lieferant baut die Deckel nach EN 0815/4711, jeder hat die Norm in seiner Landessprache, und niemand hat Kopfschmerzen.

            Das Rationalisierungspotential ist dabei ganz erheblich.

            Und dafür brauchen Sie eben eine Verwaltungskommission, die das festlegt.

            In einem Binnenmarkt BRAUCHEN Sie gemeinsame Normen, um den Handel unkompliziert abwickeln zu können.

            So wird es möglich, arbeitsteilig zu produzieren, ohne jedesmal mit dem Partner aushandeln zu müssen, wie viele Standardbauteile mit welchen Maßen benötigt werden.

            Es wird immer gerne über die Regulierungswut der EU geschimpft. Aber gerade die Erarbeitung der Normen ist sinnvoll und auch absolute Kernaufgabe einer Freihandelsorganisation. Man schimpft also auf etwas, das absolut notwendig ist, während man das gefährliche Demokratiedefizit unerwähnt lässt. Aber das ist ein anderes Thema.

            1. Es gibt richtige Normen und falsche Normen. Es gibt Normen, die die funktionierende Selbstregulierung herbeiführen und solche Normen, die diese strangulieren.
              Mit dem Begriff Normen allein ist noch nichts gewonnen. Welcher Typus von Normen und welche Normen im einzelnen Fall – das ist die Frage.
              Es müssen die Normen eines lebensfähigen Systems sein. Diese sind heute erkannt, aber sie sind den nur den wenigsten bekannt. Mehr dazu in meinem Buch Strategie des Managements komplexer Systeme (1984, 2008).

      2. Genauso können Sie über die Einführung des metrischen Systems durch die französische Zentralregierung polemisieren. Jede Region hatte seine eigenen Maße und Gewichte, ebenso jeder deutsche Kleinstaat.

        Reduziert es die Komplexität, wenn jede Stadt oder gar jede Firma seine eigenen Maße definieren würde? Überlegen Sie mal, wie viele Umrechnungstabellen Sie vorhalten müssten, und wie leicht Fehler durch ähnlich oder gleich lautende Namen für Einheiten entstehen können.

        Nehmen Sie als Beispiel den Mars Climate Orbiter, wo Milliarden Dollar verloren gingen, weil jemand vergessen hatte, Fuß in Meter umzurechnen. Da reden wir nur von ZWEI Einheitensystemen!

        1. Wer Masse nicht umrechnet, der braucht keine Normen, sondern eine bessere Schulbildung. Und da sind die US-Amerikaner keineswegs vorbildlich, solange es sich nicht um Absolventen einer Elite-Uni wie Harvard, Yale und dem MIT handelt.
          Doch halt, nicht einmal das stimmt: Wo haben die Leute studiert, welche mit dem Shareholder Value-Denken diese Misere in den USA angerichtet haben…?
          Ausserdem: Eine Normvorgabe zu Masseinheiten (Stichwort SI-Normen) ist das eine – ellenlange Gesetzestexte sind das andere. Wussten Sie, dass alleine das Schweizerische Mehrwertsteuer-Gesetz mehr Text umfasst als die Bibel? Was da die sinnvollere Lektüre wäre, liegt m. E. auf der Hand.

          1. Als ich 1997 in meinem Buch über Unternehmensaufsicht und Corporate Governance erstmals – und danach regelmässig – publizierte, dass der Shareholder Value Approach zur grössten Fehlallokation ökonomischer Ressourcen führen werde, konnten die meisten die Logik meiner Überlegungen und Argumente gar nicht verstehen. Sie konnten schlichtweg das Problem nicht sehen. In gewisser Weise sind die US Elite-Unis, zusammen mit den Tausenden der sie nachahmenden Business Schools, die Totengräber der Wirtschaft – und letztlich wohl auch der Gesellschaft, wie wir sie hatten.

            1. Man könnte diese Shareholder-Value-Perspektive als unzulässige Simplifizierung komplexer Systeme charakterisieren. Indem nur auf die glitzernde Oberfläche des finanziellen Output gestarrt wird, entsteht ein riesiger blinder Fleck für die in jeder Organisation darunter liegende zu managende gewaltige Komplexität. Interessanterweise realisieren diesen Sachverhalt die Mitarbeiter in den Abteilungen viel früher als die Management-Ebene, die ihre Wahrnehmung wirksam von derlei „Kleinkram“ abdichten kann. Paul C. Martin hat einmal in anderem Zusammenhang von einem geistigen Skotom gesprochen. Das scheint auch hier vorzuliegen.

              1. Zum Shareholder-Value Approach als eine der Hauptursachen, wenn nicht die Ursache schlechthin, steht seit 1997 alles in meinen Büchern, z. B. über Corporate Governance, Unternehmenspolitik und Strategie. Er ist einer der unsäglichsten Irrtümer der Geschichte und hat zur grösssten Fehlleitung von ökonomischen und sozialen Ressourcen geführt. Schuldenwirtschaft, Immobilienkrise und alle anderen Erscheinungsformen der Krise kommen aus dieser Quelle.

                1. Neben dem Shareholder Value-Unsinn, und der Illusion von der Effizienz der Märkte, glaube ich, dass die Ideologie vom globalen Freihandel ganz falsch ist.

                  1. Die Richtung der Freihandelsidee als solche stimmt. Ihre Realisierung ist häufig kontraproduktiv. Wir werden nun eine Phase der Isolation und Abschottung der Länder erleben. Bisher seit den frühen 1980er Jahren „Wir sind alle Brüder …“ (Inklusion). Jetzt und in absehbarer Zukunft: „Was geht mich der andere an …“ (Exklusion).

            2. Dem stimme ich vollkommen zu. Man beachte meine ironische Bemerkung: „Doch halt…“.
              Die Quintessenz meiner Aussage sollte eigentlich lauten: Die heutigen Probleme sind zu einem wesentlichen Teil auf fehlende Bildung in diversen Bereichen zurückzuführen. Und Ihre Tools, Herr Prof. Malik, gehören für mich hier ganz vorne mit dazu – zusammen mit einer gesunden Allgemeinbildung. Wenn ich denke, dass es Nationalräte in der Schweiz gegeben hat, die nicht einmal alle sieben Bundesräte kannten…

          2. Herr Ruprecht, ich verstehe, was Sie meinen, und bin da durchaus auf Ihrer Linie. Ich habe beruflich u.a. mit Euro-Normen zu tun und sehe auch jeden Tag, wie zusätzliche nationale Normen das Geschäft für alle kompliziert machen. Gäbe es nur die Euro-Norm, wäre alles einfach und meine Firma könnte ihre Arbeitskraft in sinnvollere Dinge stecken.

            Was die Maßeinheiten angeht: so trivial wie im Alltagsleben ist das nicht.

            Sie haben in der Physik mehrere Einheitensysteme, und manchmal müssen Sie diese aus Gründen der numerischen Stabilität auch einsetzen (z.B. atomare Einheiten in der Theorie der kondensierten Materie.) Ich weiß nicht, ob Sie sich zutrauen, einem Code von einer halben Millionen Zeilen auf einen Blick anzusehen, ob alle Größen konsistent umgerechnet wurden. Ich jedenfalls nicht.

            Ich weiß aber, dass man bei diesem trivialen Thema, das keine große intellektuelle Herausforderung darstellt, trotzdem äußerst sorgfältig zu Werke gehen muss. So sagte Hermann Oberth, von Brauns Lehrer, dass große Dinge oft an den „schmutzigen Kleinigkeiten“ scheitern.

          3. Ein kleines Beispiel: Obwohl eine Euro-Norm besteht, muss einer meiner Kunden ein und dasselbe Produkt in unterschiedlicher Ausführung herstellen, um Unterschieden in der nationalen Gesetzgebung gerecht zu werden.

            Ich denke, Sie sehen das Rationalisierungspotential, wenn für die ganze EU nur ein Modell eines Typs angeboten werden könnte.

            1. Rationalisierungspotenziale wie dieses, aber noch in vielfach grösseren Dimensionen, gibt es in so vielen Organisationen, dass schon allein diese zu heben in eine neue Welt des besseren Funktionierens führt.

  3. Was also schlagen sie vor? kybernetische Steuerungs- und Kontrollstrukturen zeichnen sich durch rekursive Selbstorganisation aus. Bis jetzt will die EU immer weiter zentralisieren. So weit ich Kybernetik bis jetzt verstehe ist das genau das falsche. Rekursive (in gewissem Sinne hierarchische) Dezentralisation wäre m.E. nach die Lösung. Je weiter oben desto grundlegender und mehr Detailfreiheit gewährender wären die Richtlinien/Gesetze. Herr Malik kann man die geeigneten Strukturen skizzieren? Ich meine damit kann man IN ETWA beschreiben auf welcher Ebene EU als ganzes,
    Länder (D, F, I usw.), Regionen, Kreise, Städte, Stadtteile was konsequent UNeinheitlich entschieden werden sollte um ein OPTIMALES Funktionieren zu gewährleisten?
    Beispiele: Sollte der Inhalt einer Abschlussprüfung zum Meister Sanitär, Heizung Klima auf EU-Ebene oder auf Kreisebene definiert werden?

    Welche Ebene wäre angemessen um die Grenzwerte von Schadstoffen im Trinkwasser festzulegen?

    Welche Ebene sollte festlegen welche Inhalte, Länge von Praktika etc. eine Arztausbildung beinhalten sollte?

    Oder denke ich da in gänzlich falschen Kategorien?
    mit freundlichen Grüßen Stefan Ludwig

    1. Es gibt das VSM = Viable System Model, das wir für das Design von Organisationen verwenden. Es ist etwas vom Besten, was Kybernetik und Bionik zu bieten haben – ein abstrahiertes Modell des zentralen Nervensystems. In meinem Buch „Strategie des Managements komplexer Systeme“ habe ich es ausführlich behandelt. Entwickelt wurde es vom Kybernetik-Pionier Stafford Beer.

  4. Ein bisschen fühle ich mich an das Periodensystem der Elemente erinnert, wo mit der Ordnungszahl 92 die instabilen Elemente beginnen. Bei Staatengemeinschaften scheint die Stabilitätsgrenze noch tiefer zu liegen. Gegenwärtig sind jedenfalls die Kräfte, die in Richtung Auflösung drängen, deutlich stärker als die Kohärenz. Dies liegt auch daran, dass Komplexitätsreduktion (z.B eine einheitliche Amtssprache) zu selten stattfindet. Unter Stressbedingungen wird dieses Konstrukt auseinanderfliegen, das scheint mir absolut sicher.

  5. Lieber Herr Prof. Malik, zu Ihrer Beschreibung der Komplexitätsentwicklung ist noch hinzuzufügen, dass Berechenbarkeit von Verläufen unter diesen Bedingungen unmöglich ist (Bremermann’sches Limit). Klar ist, dass derartige Zusammenhänge bei auch bestimmten Großbauten gelten, die in letzter Zeit ausnahmslos desaströs enden. Nun hat Bundesminister Ramsauer hochkarätige Experten zusammengerufen, die Lösungen entwickeln sollen, siehe (http://www.bmvbs.de/SharedDocs/DE/Artikel/UI/reformkommission-bau-von-grossprojekten.html)

    Es sind alle Professionen vertreten, Juristen, Kaufleute, Politiker, Ingenieure. Kein einziger trägt erkennbar die Berufsbezeichnung „Systemwissenschaftler“, „Kybernetiker“ o.ä. Ob die Runde in diese Richtung beraten wird, wage ich zu bezweifeln, denn das Themenpapier der 1. Sitzung vom 17.04.13 lässt das nicht erkennen.

    Von „großer Komplexität“ ist dort die Rede, allerdings ohne inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Phänomen. So müsste Frage 5 ersetzt werden durch: „Werden Projektsteuerer eingesetzt, die nachweislich über systemtheoretische und kybernetische Ausbildung verfügen?“. Dann käme man möglicherweise zur Lösung des Problems …

    1. Sie haben Recht. Es kommen einem viele geschichtliche Fälle in den Sinn, wo hochbefähigte Menschen versagen mussten, weil ihnen ein paar Bit Information gefehlt hat. Z. B. auch der Arzt Dr. Semmelweiss, der entdeckt hatte, dass die hohe Sterberate in Spitälern mit einfachen Hygienemassnahmen (auf gut Deutsch durch Händewaschen) fast auf Null gesenkt werden konnte. Die damaligen „Experten“ konnten diese aber nicht einsehen.
      Dennoch bin ich zuversichtlich, denn wenigstens haben wir heute ein paar solcher Projektsteuerer und auch Menschen wie Sie, die darauf hinweisen. Haben Sie herzlichen Dank dafür und geben Sie nicht auf.

      1. Aufgeben ? – ganz im Gegenteil, Herr Prof. Malik.

        Die historische Chance, dass sich in kurzer Zeit alles komplett auf den Kopf stellt, bekommt man nicht oft geboten.

        Ich bin Mitbegründer von 2 gemeinnützigen Instituten zum Thema Management-, Planungs- & Baukybernetik. Interdisziplinäer wird millionenschwer geforscht, vernetzt und kooperiert, so mit dem Europ. Forum für Baukybernetik, dass Sie kennen. Ich denke, in absehbarer Zeit werden wir auch Gehör auf höheren Ebenen finden.

        Unsere Zielgruppen sind die Leittragenden der Misere: Handwerker, die unter unmenschlichen Bedingungen des alten Systems leiden, bekommen die „Produktivitätsschleuder“ geboten (Malerbetrieb 20% Gewinn …) und Bauherren passende Unterstützung in bzw. vor Katastrophenfällen.

        Das erste Patent, das mit (Ihren) kybernetischem Methoden in wenigen Jahren komplett an der etablierten Branche vorbei entwickelt wurde, wird am 12.07.2013 veröffentlicht. Das Zweite ist in der Pipeline. Zielfeld: Zukunftsbranche Hygiene(Gesundheit)/Energie. Mögliche kybernetische Wirkung der Energieeffizienzsteigerung: weit über 100 TWh p.a., nur in Deutschland.

        Soweit – trotz Komplikationen – zum „Aufgeben“ …

          1. Herr Podlech, es handelt sich um ein EPA-Patent, aber nicht zur Kybernetik >in< Handwerksbetrieben. Das Produkt kann und wird allerdings von Handwerksbetrieben der Sanitär- & Heitzungsbranche genutzt bzw. montiert. Falls Sie die "Produktivitätsschleuder" meinen, so ist etwas flapsig die Übertragung von kybernetischen Methoden der Selbstorganisation zur Anwendung in Handwerksbetrieben (speziell Bauwesen) gemeint. Hierzu wurde eigens das ikpb in Kassel gegründet, welches aus dem Anwenderkreis des KOPF-Systems hervorging und sich sowohl praktisch/entwickelnd als auch wissenschaftlich/forschend betätigt.

        1. Ich bin technischer Kybernetiker und beschäftige mich wissenschaftlich mit diesem Thema in einem Consulting Unternehmen mit diesem Thema. Nun ich bin etwas verwundert, darüber das Herr Puls zu dem Thema Kyebernetik schreibt, er verwendet den Begriff Baukybernetik. Ich habe mir das einmal angeschaut und muss sagen Herr Puls, dass was „Sie“ machen hat nicht viel mit Kybernetik zu tun, es ist viel mehr das schon seit Toyota bekannte Total Quality Management. Auch das Thema Produktionsoptimierung- und planung macht man schon lange.

          1. Sehr geehrter Herr Pauls,

            bei allem Respekt, dass ist „Blödsinn“ was Sie da schreiben. Die Baukybernetik ist ein Gebiet mit Tradition, insbesondere im Fall von Herrn Puls und Grotes „KOPF“ etc…

            Natürlich gibt es Schnittmengen zwischen den Wissenschaften, dass ist aber auch im Bereich der Physik, Mathematik und Philosophie etc.. so, dass sollten Sie als technischer Kybernetiker eigentlich wissen.

          2. Sehr geehrter Herr Pauls, dass meine Aktivitäten mit „Kybernetik“ nicht viel zu tun hätten, lässt vermuten, dass Sie möglicherweise noch am Anfang Ihrer wissenschaftlichen Untersuchungen stehen.

            Ich erlaube mir folgende Hinweise: E. Demming entwickelte in 1940er-Jahren die prozessorientierte Sicht auf die Tätigkeiten von Unternehmen. Toyota machte daraus das TQM, dem heute weltweit viele Unternehmen nacheifern (u.a. Porsche, Audi). In den 1970er Jahren hat Grote u.a. dieses Wissen methodisch auf das Bauen übertragen (KOPF-System). Er bezeichnete das „Bau“kybernetik.

            Allen Entwicklung gemein ist, dass sie im höchsten Maße auf Wirkungen kybernetischer Prinzipien setzen, bspw. Ashby’s Law, der Redundanz potentieller Lenkung, Selbstregulation & Selbstorganisation.

            Produktionsoptimierung- und planung in diesem Sinne bzw. im Sinne von Toyotas TQM steht in der Bau- & Immobilienbranche, in der ich mich bewege, noch deutlich am Anfang.

            Auf das Phänomen, dass Themen wie „Energieeffizienzsteigerung von Gebäuden“ und „Trinkwasserhygiene“ bisher im kyb. Sinne nicht mal ansatzweise integriert / prozessorientiert betrachtet werden, treffen Sie im Laufe Ihrer Aktivitäten vielleicht noch.

            1. Als technischer Kybernetiker (Ilmenau) , stellt sich mir die Frage, wie viel Kybernetik steckt in Ihren Aussagen?
              Als Kernaspekt nennen Sie auf Ihrer Homepage: „Lenken statt steuern!“ Was
              meinen Sie genau damit? Die Kybernetik sagt jedenfalls zum Lenken =
              Regeln und Steuern (s. z.B. Schwanninger 2004), dieser Widerspruch kann nicht nachvollzogen werden. Er erscheint des Weiteren so, als
              würde kurzerhand alles dazu erklärt, Komplex zu sein.

              Es wird auch von Systemsengineering gesprochen, da stellt sich doch die Frage: Welche mathematischen Grundannahmen und nichtlinearen Modelle verwenden Sie? wie
              simulieren Sie?
              Es wird sehr stark verallgemeinert bzw.absolutiert. Der Ansatz erscheint daher unzutreffend.

            2. Sehr geehrter Herr Puls

              Sie erwähnen: „Auf das Phänomen, dass Themen wie “Energieeffizienzsteigerung von Gebäuden” und “Trinkwasserhygiene” bisher im kyb. Sinne nicht mal ansatzweise integriert / prozessorientiert betrachtet werden, …“. Gerne würde ich hierzu mit Ihnen direkt Kontakt aufnehmen.

              PS: Aus der Halbleitertechnik resp. Silizium Technologie stammend, bin ich via Photovoltaik jüngst in der energetischen Gebäudetechnik gelandet. Wie Sie bereits erwähnen, stehen wir hier systemisch/kybernetisch noch ganz am Anfang.

    2. Zumindest besteht die Reformkommission aus dem „who is who“ der deutschen Bauwirtschaft. Fraglich ist nur, ob dass was dort erarbeitet wird (Stichwort: Handbuch Großprojekte), auch durch die „Systeme im Focus“ umgesetzt werden kann. D.h. werden dazu auch die richtigen Randbedingungen geschaffen, oder anders formuliert, schaut man sich auch einmal die dazugehörigen Umwelten an und gestaltet die Strukturen dementsprechend. Zu bedauern ist in der Tat, dass sich keine Managementkybernetiker unter den Beteiligten wieder finden.

  6. Für mich stellen sich hier zwei Fragen:

    1. Wie kommt es zu einer etwa 57%igen Staatsverschuldung bei Kroatien im Gegensatz zur EU mit 87,2% und Deutschland mit 81,2%? Wobei angeblich 40% der Wirtschaftsleistung durch Schwarzarbeit erwirtschaftet wird und jeder dritte Bürger staatlich angestell ist. Gibt es da einen Zusammenhang?

    http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video1315964.html
    http://www.staatsverschuldung.de/ausland.htm

    2. Was für eine Rolle spielen wirtschaftliche Zusammenhänge als Kriterium für den Beitritt in die EU, vor allen Dingen zu Zeiten der Wirtschaftskrise? (Haben sich seit 2008 die Kriterien verschärft?)

      1. Ich habe mich für dieses Gebiet einmal etwas interessiert. Von daher habe ich folgende Eindrücke gewonnen (Beweise liegen mir allerdings keine vor):

        Anscheinend gibt es einige besonders Reiche, die derzeit in Kroatien investieren, gerade weil sie dieses als eine Art „ungeschliffenen Diamanten“ ansehen, besonders was die touristische Attraktivität des Landes für die „Oberen Zehntausend“ betrifft. Ein brandneuer Hafen für Luxus-Yachten ist in den letzten Jahren genauso entstanden, wie diverse Hotels gebaut wurden. Das gab es in der Geschichte schon öfter: St. Tropez war mal ein einfaches Fischerdorf…

        Dass es einen Zusammenhang zwischen der tiefen Verschuldung einerseits und der Korruption andererseits gibt, halte ich für durchaus auch möglich. Ausserdem: In Zeiten, da sogar die USA ihre Zahlen beschönigen (ich verweise auf entsprechende Beiträge von Prof. Malik), gilt sowieso: Traue keiner Statistik, die Du nicht selber gefälscht hast…

        1. Noch ein Nachtrag zum besseren Verständnis: Mit „Beweise liegen mir keine vor“ meinte ich, dass ich die KAUSALITÄT zwischen den erwähnten Investitionen einerseits und der tiefen Verschuldung andererseits nicht beweisen kann, wenngleich dieser Gedankengang m. E. plausibel ist.

  7. Sehr geehrter Herr Prof. Malik,
    mit großem Interesse verfolge ich Ihren Blog schon eine ganze Weile. Als Physiker und Projektleiter in der Raumfahrt gehört die Navigation in komplexen Systemen (= technisches sowie organisatorisches Projekt-Umfeld) für mich zum Arbeitsalltag. Leider mache ich immer wieder die Erfahrung, dass die herkömmlichen ProjektManagement-Methoden an der Komplexität der Aufgabenstellung scheitern. Auf der Suche nach PM-Methoden die auf Kybernetik basieren und somit die Komplexität der Aufgabenstellung adäquat adressieren, bin ich bisher nicht fündig geworden. Gibt es dazu spezifische Weiterbildungen oder Literatur ? Über eine Antwort freue ich mich sehr ! Freundliche Grüße aus Stuttgart ! C. Seibert

    1. Projektmanagement ist eine der Anwendungen der Managementsysteme, die ich in meinen Büchern darstelle.
      Vielleicht ist das eine oder andere für Sie nützlich. Besonders Band 2 „Unternehmenspolitik – Wie Organisationen sich selbst organisieren“ könnte Sie interessieren.

      1. Da für mich Mathematik und Logik, wie sie allgemein interpretiert werden, nur Konstrukte menschlicher Vorstellungskraft und dessen Deutung sind, habe ich einige Fragen für mein besseres Verstehen der Aussagen. Herr Malik, Sie setzen „gut“ und „schlecht“ in Anführungszeichen. Würden Sie diese Begriffe mit der Fuzzylogik assoziieren? Gut ist doch gut und schlecht einfach nur schlecht, oder? Was meinen Sie mit „… Nur schon die Zahl der ÜbersetzerInnen …“ – im Zusammenhang mit Beziehungen? Sind Sie der Ansicht Objektivität existiert nicht? „… wenn die Beziehungen unsymmetrisch sind …“ Das ist ein sehr feiner Ansatz. Wie interpretieren Sie diesen, ohne die Verwendung mathematischer Semantiken? Vielen Dank. Kleine Anmerkung zu Herrn Max Gmür. Subsysteme zu bilden, um Komplexität zu reduzieren, funktioniert nicht. Leider … Herr Jürgen Clasen … Ist das wirklich so einfach? Den gesunden Menschenverstand zu verwenden? Wie kennzeichnet sich dieser für Sie? Mitglied: NJPuls … Könnten Sie Herrn Malik das okay für eine Veröffentlichung geben? Ich finde dies ebenfalls interessant? Danke. In der Tat NJPULS das ist Praxis. Die Planungsphasen werden auch immer kürzer … Welche Ideen helfen?

        1. Die vielen Fragen, die Sie in Ihr Posting packen, übersteigen meine Möglichkeiten im Blog.
          Fuzzy Logics spielt eine immer wichtigere Rolle, aber für die Beispiele, die ich verwendete, ist sie nicht nötig. Die Anführungszeichen habe ich weggelassen, damit diese Begriffe nicht als moralische Wertungen verstanden werden.

        2. Ich meinte eigentlich: selbstorganisierte Subsysteme reduzieren die Kompliziertheit (bei gleichzeitiger Erhöhung der Komplexität).

          1. Das gehört zu den wichtigen Erkenntnissen der Kybernetik.
            Daraus folgt eine nur scheinbar paradoxe Maxime:
            Organisiere Systeme so, dass diese sich selbst organisieren können.
            Daher gehören auch Selbstregulierung und Selbstentwicklung zur (=) Evolution.

        3. „Kommt her zu mir; alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken“ Wir sind aber nicht Jesus. Ich kann nur meinen persönlichen roten Faden etwas beschreiben. Organsieren Sie sich langfristig so,
          das Sie ein TAGEwerk betreiben. Neben den beruflichen
          Anforderungen, gibt es i.d.R. auch noch Familie die Sie
          als Vater kennen sollte. Sie können nicht alles selbst machen! Finden Sie Mitstreiter die in ihren Sektoren
          top Kompetenz haben und ihr Handwerk verstehen. Geben Sie diesen Leuten Freiraüme für selbstständiges verantwortliches handeln. Luschen müssen aber weichen. Organisieren sie so, das parallel gearbeitet wird, um schneller zum Ziel zu kommen. Definieren Sie dazu Termine & Meilensteine. Ein Meldesystem informiert sie über Schwierigkeiten usw usw. Probleme dürfen nicht
          vertuscht werden. Das wichtigste sind aber die Mitstreiter, denen Sie bei guten Erfahrungen immer mehr Leine geben. Pfeifen Sie auf nutzlose Rituale. Diese Mitarbeiter werden sich voll einbringen, wenn sie obendrein noch dafür zusätzliche finanzielle Vorteile erhalten. Im besten Fall haben Sie selbst wenig Stress, durch Selbstorganisation der Delegationsbereiche.

    2. Herkömmliches Projektmanagement wird häufig zu starr und unflexibel verwendet, bzw. zu deterministisch gesehen, was nicht zu einer offenen, komplexen Welt passt. Conny Dethloff hat dazu sehr passende Blogs verfasst – die vielleicht zum besseren Verstehen beitragen:
      http://blog-conny-dethloff.de/?p=454
      http://blog-conny-dethloff.de/?p=490
      http://blog-conny-dethloff.de/?p=986
      http://blog-conny-dethloff.de/?p=1015

      Ich kann durchaus sein Buch Dethloff, Conny. Von einem der auszog die Wirtschaft zu verstehen: Auszüge aus dem Logbuch der Reise Saarbrücken: bloggingbooks, 2012 empfehlen, wo es auch sonst noch sehr gute ergänzende Denkanstöße für die Transformation gibt.

      An sonst möchte ich noch Kruse, Peter. next practice/Erfolgreiches Management von Instabilität. Offenbach: Gabal Verlag GmbH, 2011 empfehlen. Der Inhalt ist schon 10 Jahre alt – aber Top aktuell.

      Wichtigste Message: Es gibt keine universal Lösungen – „Des Weiteren erkennt man sehr schnell die absolute Bedeutung von Kommunikation beim Lösen komplexer Probleme. Kommunikation ist bei der Synthese der Teillösungen zu einer Gesamtlösung immens wichtig.“ Was ja auch bei der Syntegration im Vordergrund steht!

    3. Hallo Herr Seibert,
      Ich möchte Ihnen auch das Buch „Wirksames Projektmanagement: mit Projekten zu Ergebnissen“ von Dr. Roman Stoeger empfehlen.

      Gruß,

      Sven Buck

  8. Sehr geehrter Herr Prof. Malik,
    zu Ihren interessanten Thesen erlaube ich mir einige Sätze.
    In offenen Systemen kann eine Entropie- bzw. Komplexitätszuname nur ausgeglichen werden (um Gleichgewichtsähnliche Bedingungen, also ´steady state´ zu erhalten) durch die Zufuhr von Energie d.h. Leistung oder ´Arbeit´. Da im System, sagen wir in der europäischen Gesellschaft, die Dynamik stetig steigt, könnte man diese vergleichen mit der steigenden Temperatur im System. Das Produkt von Temperatur und Entropie ist die Energiemenge, die man für den Ausgleich zum steady state braucht.
    In der EU aber ist die Situation noch dramatischer dadurch, dass das weit offene System permanent Energie verliert, wenn unvermögende und schlecht strukturierte Mitgliedstaaten mit dem System fusionieren. Abgesehen von den sonstigen Energie- und Informations-Leckagen an den Systemgrenzen…
    Wenn wir die EU wie Prof. Ilya Prigogine betrachten, also mit thermodynamischen Augen, müssten sich die bereits großen Energiedefizite geradezu beschleunigen. Also die Anwendung der Gibbs Energie (dG = dH –T*dS) auf die EU lässt es einem Naturwissenschaftler schon mulmig werden!
    Viele Grüße und Danke für Ihre Blog-Beiträge!

    1. Einen schönen Samstag,

      derzeitige systemische Variablen von einer anderen Blickrichtung zu erforschen, möchte ich der geneigten Leserschaft gern folgenden FAZ- Artikel empfehlen.

      http://blogs.faz.net/digital/2013/07/12/welche-gleichheit-wir-brauchen-310/#comments

      Einen Teil der Komplexitätsreduzierung und daraus folgender Funktionszusammenhänge, e.g. die Annäherung personell empfundener Anschauungen und deren Konstituierung auf rechtlicher Fundamentierung zu eruieren …

      Entsprechende Aussagen ebenfalls bei Peter F. Drucker, z.B. in seinen Einschätzungen zu Revolutionen und deren hervorgerufener Ereignisse wiederentdeckend.

      Wie sieht`s um das gewissenhafte Denken eigentlich aus, auch in Relation zu Wünschen und Weltansichten … Und in die Frage mündend, ob Widersprüche nicht verstandene Wissensattraktoren sind?

      Gleichgewichtszustände sind Zustände denen die Evolution entgegenwirkt … Chaos und Ordnung … Die Asymmetrie als evolutionäre Chance verstehen …

      Ja, es geht um die Frage der Energie und dessen interdisziplinärer Interpretationsmöglichkeit … Oder setzen wir doch lieber ein Gleichheitszeichen dazwischen?

      Ein schönes Wochenende. Freute mich über Räsonierendes. 😉

      1. Danke für den FAZ-Hinweis. Ich bin nicht sicher verstanden zu haben, was der Autor sagen will.
        Es gibt viele Dimensionen der Komplexitätserhöhung und der Komplexitätsreduktion. Eine der daraus folgenden Fragen ist, ob ein System per Saldo lebensfähig, d. h. seinem Zweck entsprechend adaptiv, funktions- und evolutionsfähig ist, ob es stabil, multi- und polystabil ist, ob es zur Selbstregulierung und Selbstorganisation fähig ist.
        Gleichheit, Gerechtigkeit, Freiheit und Verantwortung sind zwar auch Werte. So verstehen das die Meisten. Es sind aber weit mehr Organisationsprinzipien, deren Ausgestaltung die Fähigkeit bestimmen, Komplexität und Wandel zu meistern.

  9. „Junckers Regierung in Luxemburg tritt zurück“. Damit schließt sich ein Kreis. Der Mephisto der Euromanie wird von seiner Bühne verjagt. Luxemburg ist ein Agrarstaat und kein Bankenstaat! Klammheimlich hat er einen Bankenstaat installiert mit Steuerhinterziehung und ähnlichen Vorteilen. Kein Mensch glaubt, das in Luxemburg mehr Expertise ist, als in den klassischen Fluchtstaaten wie Schweiz, Monaco, Singapur usw. Die nächsten Dominosteine werden fallen im Fibonacciajahr 13. Angela Merkel und Wolfgang
    Schäuble sind überfällig. Das ist alles die selbe Sosse!

    1. In der Grossen Transformation21 fallen die Helden der Alten Welt reihenweise in Ungnade. Kaum einer wird diese Transition unbeschadet überstehen. Allein schon mit dem Verstehen dieses Prozesses kann man weit zutreffendere Prognosen machen, als mit jeder herkömmlichen Wissenschaft.
      Die Bandbreite der Ungnade wird von „lächerlich machen“ bis zur Lynchjustiz reichen.

  10. Lieber Professor Malik,

    Es ist gut, dass Sie für den Beitritt Kroatiens zur EU einmal den Zuwachs an Komplexität dargestellt haben. Sie beschränkten sich wegen der einfacheren Darstellung auf die Möglichkeiten „gut“ und „schlecht“. Aber, bedenken wir doch dass mit Kroatien nicht nur ein Element zur EU hinzukam. Die Kroaten bringen mit und beteiligen sich an einer Vielzahl von Elementen wie Sozialpolitik, Finanzpolitik, Umweltpolitik, Außenhandel, Verkehrspolitik usw. Aber damit nicht genug: dann kommen noch die Kloschüssel von Herrn Ruprecht und die Glühlampen hinzu. Eine mathematisch an die Unendlichkeit sich annähernde Dramatik. Nicht beherrschbar.
    Allerdings bin ich überzeugt, dass Subsysteme (Dezentralisation mit Autonomie) in diesem hochkomplexen Europa zu kleinen Verbesserungen der Funktionsfähigkeit führen können (Max Gmür). Insofern verstehe ich Ihren Einwand und Hinweis auf ein Metasystem nicht ganz.

    1. Lieber Herr Brandes, welche Freude, Sie hier in meinem Blog zu finden. Ich hoffe es geht Ihnen gut und Sie sind in jeder Hinsicht wohlauf.
      Vielen Dank für Ihr sehr interessantes Posting. Ein Metasystem ist in der Kybernetik lebensfähiger Systeme (> Stafford Beer) jene übergeordnete Instanz, die für die teilautonomen Subsysteme die Bedingungen ihres Funktionierens gestalten kann und muss. In der Politik wären das die konkreten Ausgestaltungen eines föderalistischen Aufbaus. So sind Deutschland, Österreich und die Schweiz alle föderalistisch. Deren Föderalismus ist aber ganz verschieden ausgestaltet. In dieser Hinsicht hat die EU erheblichen Optimierungsbedarf. Sie ist bisher eine Konstruktion, die gut funktioniert, solange wir Wachstum haben. Unter den heutigen Bedingungen kommt diese Konstruktion aber immer häufiger an ihre Grenzen.
      Herr Gmür hat mit seinem Hinweis auf die Autonomie von Sub-Einheiten also recht. Die höheren EU-Instanzen (Metasystem) tun sich aber mit dem Föderalismus eher schwer.

      1. Ich gehe davon aus, dass mit „…in Ungnade…“ „…Schäuble sind überfällig…“ angedeutet werden soll, dass starre Funktionsvariablen bei dynamischen Systemen als Bremse wirken können? Warum? … z.B. Inhalt FAZ- Artikel „…Ende immer in der Ermordung von Opfergestalten entlädt…“ Und, was lehrt uns dies, geschichtlich? Ausbildung ist nicht gleich Bildung…

        Begriffe wie Gerechtigkeit, e.g. sind ein sehr heißes Eisen… Diese bedingen einander… In der Kybernetik nennen wir`s Variablen. Denn, je mehr Freiheit vorhanden, desto weniger Gerechtigkeit und umgekehrt … Verantwortung bedeutet, vernünftig gedacht, auch weniger Freiheit, denn erstere zu wollen, ohne für sein Handeln gerade zu stehen, ist keine zu Ende gedachte, systemische Regulierung. Dies ist „nur“ eine Schwierigkeit beim Navigieren in funktionell gewünschten Demokratien und der pluralistischen Idee. Sinn und Zweck „guten“ Managements eben. Ermöglichen das derzeit unsere Systeme? Wer möchte mehr Verantwortung? Wer räsoniert lieber? Mutige vor…

        Ich wünsche uns gemeinsam umsetzbare Ideen, für unsere sich entwickelnden Gesellschaften…

        Besonderen Dank Herrn Malik und seinem Team.

        Verstehe, so meinten Sie dies Herr Max Gmür… Fein…

        1. Ergänzung, zu meinem vorherigen Beitrag …

          Herr Malik, ich las gerade „Die Welt im radikalen Wandel“ – auf Ihrer Webseite.

          „…Die demokratisch geführten Staaten geraten gegenüber staatskapitalistischen… Die chinesische Staatsführung sagt ganz offen …“

          Mag alles „richtig“ sein… Auch diese Nationen werden sich dem von der Bevölkerung signifikant spürbaren Wunsch zu mehr „Gerechtigkeit“ ausgesetzt sehen, was zu einer neuen Gesellschaftsstruktur dieser Länder führen wird, was wiederum einige wenige Jahre, oder auch Jahrzehnte dauern kann.

          Das Wachstum vergänglich ist, weiß bedingt durch ihre andere Weltsicht, die chinesische Führung noch besser, als die Europäische.

      2. Vielen Dank für die Aufklärung zum Metasystem. Sie haben ja Recht mit den Schwierigkeiten, die die oberen EU-Instanzen inkl. unserer nationalen Regierungen haben. Die Briten und Niederländer haben sich ja schon einmal geräuspert. Wir müssen weiter nach dem Oberfrosch suchen, der bereit ist, den Frosch-Kollegen den Teich auszutrocknen. Als Management-Praktiker bin ich sicherlich oft zu schnell beim unmittelbar Machbaren, beim Versuch mit wenigen kleineren Hebeln wenigstens das Tagesgeschäft manchmal zum funktionieren zu bringen. Und Beispiele können die Kultur beeinflussen.

        Wenn doch endlich einmal jemand aus diesen Kreisen etwas von Komplexität verstünde!

        1. Lieber Herr Brandes, Ihre praktische unternehmerische Erfahrung, aber auch Ihr Naturtalent, wenn ich mal so sagen darf, ermöglichen es Ihnen, die Dinge aus der richtigen Perspektive zu sehen. Daher ist auch Ihre Devise nach Vereinfachung überall dort so richtig und auch so wichtig, wo dies dank einem überaus klugen Geschäftsmodell zu machen ist. An diesem haben Sie ja tatkräftigst mitgewirkt.

  11. Lieber Herr Professor Malik,

    seit den letzten Wochen gibt es ein neues Steuerungssystem in der Kybernetik, das berücksichtigt werden sollte: die Wirtschaftsspionage.

    Herr Brandes schreibt, „Eine mathematisch an die Unendlichkeit sich annähernde Dramatik. Nicht beherrschbar.“

    Dem widerspreche ich. Mit mathematischen Suchmethoden lassen sich für wenige Manager (z.B. Obama, Cameron, Hollande) Trends und Details aus dem Datenmeer der gespeicherten Emails und Telefongespräche auswerten.

    Als Unternehmer motiviert mich die Ungleichheit der Informationsbeschaffung und Zementierung der Besitzstände um so mehr, die Malik Tools in der Firma einzusetzen und damit zumindest meine Organisation besser funktionieren zu lassen.

    Gruß
    Thorsten Podlech

    1. In einem deutschen Kabarett sagte einer kürzlich recht treffend, als es um US-Spionage gegen Deutschland ging: „Haben Sie schon einmal einen Amerikaner getroffen, der Deutsch kann …
      Dennoch sind diese Dinge ernst zu nehmen. Ich hoffe, Sie kommen mit unsereen Tools gut zurecht. Rufen Sie einfach an, falls Sie Fragen haben.

  12. „Nun können die Beziehungen zwischen Kroatien und den anderen Mitgliedern im einfachsten Falle aber gut oder schlecht sein,…“

    Dazu fällt mir spontan ein „systemisches“ Zitat von Paul Watzlawick ein: „Das Gegenteil von schlecht muss nicht gut sein – es kann noch schlechter sein.“

    Conclusio: „…so gilt für die Mindestzahl der Gesamtzustände die Formel 2 hoch n“ oder sogar 3, wenn nicht sogar mehr. Die Komplexität lässt Grüßen.

    1. Die Efficiency Theory of Markets ist immer Unsinn gewesen. Sie entspringt Köpfen von praxisfernen Studierstubenleuten, die nie an einer Börse einen Trade gemacht haben.
      Dennoch besten Dank für diesen interessanten Hinweis.

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