Prof. Heinsohn: Bitcoins sind Vermögen, aber kein Geld

Professor Heinsohn bringt Klarheit in die Frage, die den meisten Ökonomen enorme Schwierigkeiten bereitet. Interessanterweise aber nicht den Juristen. Nach der Lektüre werden Sie verstehen, warum das so ist.
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Autor: F. Malik

"Malik is one of the most influential business thinkers..." (Business Week) "Malik has become the leading expert on Management in Europe... He is a commanding figure - in theory as well as in the practice of Management." (Peter Drucker, Doyen of Management)

9 Gedanken zu „Prof. Heinsohn: Bitcoins sind Vermögen, aber kein Geld“

  1. Prof. Heinsohn macht mal wieder deutlich, welch ein theoretischer „Schlamperladen“ die heutige Ökonomie ist. Die Geldtheorie müsste daher Teil einer übergeordneten „Virtualitätstheorie“ werden, die sich mit Größen auseinandersetzt, die nicht direkt physisch aufeinander einwirken, sondern über Bedeutung. Interessante Beiträge dazu kommen dazu seltsamerweise aus so exotischen Bereichen, wie der Bildtheorie von Prof. Dr. Lambert von der Uni Jena.

    1. Die Mainstream-Ökonomie ist in einem Paradigma gefangen, das im Grunde seit und inklusive von Keynes keine echte Erklärungs- und Problemlösungkraft hatte und hat. Dabei sind die wirklich grossen Köpfe aber eine enorme Befruchtung. Lambert schaue ich gerne näher an; danke für den Hinweis an alle.

      1. Sorry, der Autor heißt Lambert Wiesing und sein neuestes Buch: Sehen lassen: Die Praxis des Zeigens. Wesentlich bei virtuellen Bezugnahmen wie dem Zeigen, aber auch der Abstraktion „Eigentum“ ist doch die raum-zeitliche Kontextlösung. Man „klebt“ nicht mehr an den Gegenständen, wie bei rein physischem Besitz, sondern öffnet gleichsam eine neue größere Raum-Zeit. Dies machen Heinsohn und Steiger ja so schön an den Begrenzungen von feudalen und sozialistischen Wirtschaftsformen deutlich, denen die abstrakte Zwischenschicht „Eigentum“ fehlt. Mir persönlich wäre daran gelegen die Eigentumsökonomik in einen erweiterten theoretischen Rahmem virtueller Bezugnahmen zu stellen. Denn diese virtuellen Bezugnahmen sind d e r Modus operandi moderner Gesellschaften. Sie sind aber weitgehend unverstanden Das Schreiben in diesen Blog ist ja z.B. so eine virtuelle Bezugnahme. Die zu schaffende Theorie würde stark historisch geprägt sein, da virtuelle Bezugnahmen in einem Selbstverstärkungsprozess die Voraussetzungen für erweiterte virtuelle Bezugnahmen schaffen.

        1. Danke für die Ergänzung des Namens und für Ihre Überlegungen. Wissen ist wichtiger als Geld, und Information ist wichtiger als Macht, schrieb ich 2007 im Buch über Unternehmenspolitik.
          Materie und Energie werden relevant erst wenn sie in-Form-gebracht werden – und so zu relevanten physischen und biologischen „Systemen“, die auch als Besicherungs-Substrat von Eigentum werden können – von dort zu Geld durch Wissen. Das In-Form-Bringen geschieht durch Information und deren wirksam Werden durch Kommunikation.

          Meine Syntegrations-Verfahren sind Tools dafür, die in den Organisationen der globalen Gesellschaften angewandt werden können, ohne dass sich die Anwender als Personen zuvor ändern müssen, wie das bei gewöhnlichem Change Management als nötig erachtet wird.
          Das ist das Tool für den von Ihnen erwähnten Modus Operandi, der noch nicht aus den virtuellen Bezugsrahmen folgt, sondern in diesen als Potenzial (virtuell) angelegt ist. Aber er muss praktisch und effektiv gemacht wird. Dies geschieht in erster Linie durch die Art von system-kybernetischen Managementsystemen, die ich entwickelt habe und zu denen die Syntegrations-Verfahren gehören. Diese bringen auch die Selbstverstärkungsprozesse hervor, durch die Entschlackung der Systeme von Friktionen, die Freisetzung von Intelligenz und von sozialer „Energie“.

          1. Virtuelle Bezugnahmen wirken nicht direkt aufeinander ein, wie physikalische oder chemische Kräfte, sondern basieren auf zu interpretierenden Zeichensystemen. Besitz beispielsweise ist eine direkte physische Bezugnahme: Ich setze mich auf etwas, ich bringe es physisch in meine Einflusssphäre. Virtuelle Bezugnahmen sind immer mit Zeichensystemen verbunden, die chiffriert und dechiffriert werden müssen. Eigentum ist so eine virtuelle Bezugnahme, die sich nur indirekt auf den Besitz auswirken kann, da sie ein System von Verträgen und notierten Dokumenten(z.B. Banknoten) umfasst, das nur durch permanente menschliche Interpretation wirksam wird. Durch Virtualisierung kommen völlig neue Eigenschaften in die Welt, die davor nicht existiert haben. Kreditvergabe ist beispielsweise erstmal eine rein virtuelle Bezugnahme, ermöglicht aber die Realisierung physischer Aktivitäten(z.B. Hausbau), die ohne diese spezielle Virtualisierung nicht oder nur sehr schwer umsetzbar wären.
            Ein sehr einfaches Beispiel aus der Natur ist die Bienensprache. Sie ermöglicht Bienenarbeiterinnen ohne dauerhafte physische Nähe zur Nachrichtenübermittlerin eine von dieser „beschriebene“ Nahrungsquelle zu finden.

            1. Herr Pfeifenberger, vielen Dank für Ihr klärendes Posting!

              Mir kommt nun direkt eine gigantische Fülle von Beispielen in den Sinn: politische Landkarten zum Beispiel, oder Kataster-Einträge mit entsprechenden Besitzurkunden – was ja vom physischen Nutzungsrecht durchaus getrennt sein kann.

              Daraus ergibt sich direkt die These, dass virtuelle und physische Bezugnahmen in einem höchst komplexen Wechselspiel miteinander stehen.

            2. Und in die Übersetzungssysteme greift die Kultur, Historie, Politik und Scharlatane. Auch mittels Sprache.

              Im Russischen heisst ‚ich habe Haus‘ übersetzt ‚bei mir ist Haus‘. Begriff ‚Eigentum‘ ausgeblendet, zufällig oder nicht.

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