Syntegration und Lebenssinn

Blogger Harald Pichler, den ich persönlich nicht kenne, hat heute folgendes geschrieben, wofür ich ihm herzlich danke. Meine Antwort habe ich gleich darunter gestellt. Ich glaube, es ist ok, wenn ich das in einem eigenen Posting allen zugänglich mache.

Harald Pichler, eingereicht am 29.08.2015 um 22:32 als Antwort auf F. Malik:

Eine Kleinstadt in Ostösterreich sollte vor einigen Jahren die angespannte finanzielle Situation verbessern, ohne Lebensqualität und Attraktivität für Bewohner, Touristen und Wirtschaftsbetriebe einzubüßen. Was mich neben der straffen Organisation der Veranstaltung beeindruckte, war eine Atmosphäre der Gleichwertigkeit aller Beteiligten und ihrer Beiträge. Egal ob hochrangige Politiker, führende Stadtbeamte, Gemeindemitarbeiter oder Vertreter aus der Bevölkerung: Niemand wurde bevorzugt, alle wurden angehört und eingebunden. Das gemeinsame Ziel stand höher als jeglicher Rang oder Status. Die Teilnehmer konnten den Sinn ihrer Beiträge klar erkennen und die Motivation war entsprechend hoch.

Meine Antwort:
Danke, ich weiss, welche Stadt Sie meinen. Es ist einer unserer typischen Erfolge. Es gibt noch eine zweite Stadt im selben Bundesland, die der gleiche Erfolg ist.
In welcher Funktion waren Sie dabei?
Kennen Sie auch die inzwischen erzielten finanziellen Ergebnisse? Sie sind schlichtweg sensationell und wurden von den Bürgern auf Basis der Syntegrationsergebnisse selbst erzielt – mit etwas Unterstützung auch von uns. Ebenso bei der zweiten Stadt. Kann es noch mehr Lebenssinn geben?

 

Autor: F. Malik

"Malik is one of the most influential business thinkers..." (Business Week) "Malik has become the leading expert on Management in Europe... He is a commanding figure - in theory as well as in the practice of Management." (Peter Drucker, Doyen of Management)

39 Gedanken zu „Syntegration und Lebenssinn“

  1. Sehr geehrter Herr Malik,

    interessant zu beobachten, auf welchen „kybernetischen Ebenen“ auf diesem Blog mit welchen Inhalten kommuniziert wird. Ihre Hervorhebung des konkreten Beispiels einer Syntegration auf kommunaler Ebene weist m.E. den Weg: je konkreter die Ebene, desto konkret viabler kann das einzelne System durch gute Kybernetik gestaltet werden; so wird allen Beteiligten die Fähigkeit vermittelt, die große Krise mit etwas mehr Zuversicht gemeinsam anzugehen.
    Was dagegen auf staatlicher und globaler Ebene sein wird, ist wohl offen. Gerade hier ist die heraufziehende Varietätszunahme noch gar nicht wirklich zu erfassen.
    Meine Idee dazu: vielleicht bewegen wir uns in einem evolutionären Prozess auf eine Bifurkation zu, die für größere Strukturen existenzbedrohend sein wird (Dinosaurier), für kleinere, anpassungsfähigere viable Stukturen (Gemeinden und Unternehmen abwärts?) hingegen eine Zeit der Bewährung. Einem Rette-sich-wer-kann können wir vielleicht das christliche Grundprinzip und den tiefen Sinn der europäischen Kultur- und Sozialgeschichte entgegen stellen.
    Es gibt neben Vester, Beer und Frankl noch andere, auf deren – manchen unbekanntes – Werk wir nun bauen können.

    1. Lieber Herr Osthoff, danke für Ihre ausgesprochen interessanten Überlegungen. Es ist denkbar, dass es eine oberste Grenze für das Meistern von Komplexität (KX) gibt. Ausschliessen kann man das nicht.

      Ich glaube aber, dass wir davon noch weit entfernt sind. Warum? Weil man im heutigen Bildungssystem noch kaum angefangen hat, sich mit KX zu befassen. Als wir begonnen haben, SchülerInnen ab 12 Jahren mit einem KX-Spiel die Kompelexität verständlich und zugänglich zu machen, führte das nachgerade zu einer Explosion von Leidenschaft und Verstehen.Mit Big Data u.dgl. wird man an Grenzen stossen, auch mit noch so starker Technik, denn man kommt an das berühmte „Bremerman Limit“. Die Komplexität wird hyperastronomisch.
      Wir experimentieren mit Super- und Hypersyntegrationen, flächendeckend für ganze Länder und für im Prinzip alle ihre Organisationen. Dies verbinden wir mit der Diagnose ihrer heutigen Managementsysteme, also ihrer Nervensysteme. Diese sind wirklich vergleichbar den Sauriern. Aber das kann man ändern. Es ist logisch-theoretisch möglich – und daher auch praktisch machbar – z.B. die EU ( als eines der komplexesten Systeme) mit systemkybernetischen Managementsystemen zum Funktionieren zu bringen – und zwar ohne vorher die Menschen oder ihre Kultur verändern zu müssen.
      Mehr dazu vielleicht mal bei Gelegenheit.

      1. Lieber Herr Prof. Malik & Herr Ostoff,

        das Bremermann-Limit dürfte nach aktuellem Stand der Wissenschaft auch noch zu optimistisch sein, weil dort nicht die (Lauf-)Zeit berücksichtigt wird, welche ein Signal „Computer/CPU-intern“ benötigt. D.h. mit klassischen Computernn ist schon weit vor dem Bremermann-Limit Schluss, weil ein Signal von einem Teil der CPU/des Prozessors zu einem anderen immer eine bestimmte (auch wenn geringe) Zeit benötigt (Nachweis u.a. hier: http://arxiv.org/vc/arxiv/papers/0910/0910.3424v2.pdf ). „Big Data“ ist natürlich für bestimmte Anwendungen gut und ich bin ein Fan davon, aber Wunder können auch die hochmodernen „Data-driven“-Organisationen damit nicht bewirken.

        Es gibt sehr wohl eine Obergrenze für das Meistern von Komplexität, das deutet sich in vielen Wissenschaftszweigen z.T. schon seit über 100 Jahren an (Gesetz von Ashby über die erforderliche Varietät, Komplexitätsklassen und Berechenbarkeitstheorie, Busy-Beaver/Sigma-Funktion, Entscheidbarkeitsproblem etc.).

        Es wäre wirklich phantastisch wenn eine Synthegration der Systems „EU“ gelingen würde.. aber selbst wenn das logisch-theoretisch möglich wäre, bezweifle ich eine praktische Umsetzung.

        1. Lieber Herr Moroder, Sie haben recht. Praktisch liegen die Grenzen unterhalb des Bremermann Limits. Es ist aber gut, dieses Limit als theoretische Obergrenze zu kennen.
          Fast alles, was schon in den 1940er bis 1960er Jahren entdeckt worden war, wird heute erst relevant, weil die Computerkapazitäten und Übertragungmöglichkeiten heute weit höher liegen. Dadurch treten die Dinge ins Bewusstsein, weil sie in den Medien stehen.
          Neu ist vieles nicht.
          Breitflächig eingesetzt würden Syntegrationen viel bewirken können und es würde schnell gehen.

  2. Lieber Herr Professor Malik,
    Das sind wunderbare Ergebnisse, in diesen Zeiten, wo es unter enormen Zeit- und Entscheidungsdruck kaum noch Entscheidungsträger gibt sich länger als einen halben Tag mit ein Problem beschäftigen können. Ich hoffe bald mit Ihnen die Syntegrationssegunungen auf die nachhaltigen Agrarwirtschaft anwenden zu können.

    1. Ich freue mich schon heute sehr darauf. Die Agrarwirtschaft ist eines der wichtigsten und auch komplexesten Systeme. Ich bin zuversichtlich, dass wir gemeinsam sehr gute Ergebnisse erzielen werden.

  3. Sehr geehrter Herr Professor Malik,

    es ist toll zu hören, dass zwei Städte in Oberösterreich einen großen Nutzen aus der Syntegration ziehen konnten.
    Wenn ich mich recht erinnere, waren Sie bzw. Ihre Organisation Anfang 2014 in Griechenland aktiv. Damals konnten Sie aus gewissen Gründen nicht darüber schreiben. Können Sie sich heute zu den Erfahrungen/Erfolgen äußern?

    Einigen Artikeln während der Spitz auf Knopf Phase in GR konnte man entnehmen, dass die griechischen Politiker sehr „schwarz-weiß“ denken, und daher alles bekämpfen sowie „in den Dreck ziehen“, was nicht ihrer Ideologie/ihrem Parteiprogramm entspricht.

    Eine solche Einstellung dürfte die Durchführung einer Syntegration stark behindern.

      1. Guten Tag Herr Malik
        Mein Kommentar bezieht sich nicht auf Ihren Blogeeintrag sondern auf eine zentrale Annahme in Ihren Werken. Ihre Annehme der Trennung von Sach- und Management Ebene funktioniert in vielen Bereichen der modernen Wirtschaft nicht. Die Annahme von universell gülitigen Managementgrundsätzen ist nicht haltbar. Vor allem in Technologiefirmen muss sich das Management an die speziellen Gegegebenheiten anpassen. Nicht um sonst besteht das Management in diesen Firmen mehrheitlich aus ehemaligen Ingenieuren, die etwas von der Sache verstehen. Ist das Management zu weit von der Sachebene entfernt, wird die Firma charakterlos und verliert an Schlagkraft.

        1. Sie geben mir eine gute Gelegenheit, einmal mehr ein fundamentales Missverständnis über meine Managementlehre aufzuklären.
          Ich spreche von einer Unterscheidung von Sachebene und Managementebene. Das ist etwas ganz anderes als eine Trennung. Aber Sie dürfen sich trösten, denn viele achten nicht auf diesen ganz wichtigen Tatsache – und hindern sich selbst daran, Management wirklich zu verstehe. Wenn Sie diesen wichtigen Baustein aber beachten, dann hilft Ihnen das, ein wirklicher Kenner von Management zu werden und weit mehr davon zu verstehen, als die meisten.

          In meiner Lehre ist Management die Steuerung der Sachebene. Management bringt die Sachebene zum Funktionieren. Beachtet man das, dann lösen sich die meisten Verwirrungen und Missverständnisse über Management auf. Für ein besseres Verständnis verwende ich gerne zwei Beispiele, nämlich das Operating System von Computern und das Zentrale Nervensystem von Organismen. Beide bewirken das Funktionieren der Sachebenen in diesen Systemen. Dasselbe tut Management für die Sachebene von Organisationen. Ich hoffe, das hilft Ihnen.

          1. Besten Dank für Ihre Antwort. Leider helfen mir Ihre Erläuterungen nicht wirklich weiter. Es sind, entschuldigen Sie den Ausdruck, typische Management Floskeln. Die Managementebene kann die Sachebene nur wirksam steuern, wenn sie diese wirklich versteht. Darum ist das Domänenwissen auch fundamental wichtiger als das universelle Managementwissen. Das scheint immer wieder vergesehen zu gehen. Um Ihr Beispiel aufzunehmen. Ein Betriebssystem muss die Computer im Detail verstehen, um wirksam steuern zu können. Die Regeln für die Steuerung verlangen in der Natur und in der Technik umfassende Kenntnisse. Die Steuerungsmechanismen sind hochgradig individuell und der Situation angepasst. Wieso sollte es im Management von Organisationen so etwas wie universelle Regeln geben? Das ist kaum nachvollziehbar. Ich bin aber zuversichtlich, dass sich in Zukunft die Managementebene wieder stärker an der realen Sachebene orientiert und sich nicht auf scheinbar universell gültige Prinzipien und Metriken verlässt. Dann sollte die Unsitte auch aufhören, dass Manager einfach so von einer Firma zur anderen wechseln können.

            Mit freundlichen Grüssen
            Peter Müller

            1. Sehr geehrter Herr Müller, gibt es in meiner Antwort eine Stelle, wo ich sagte, oder auch nur andeutete, dass man die Sachebene steuern/managen könnte, ohne Kenntnis der Sachebene? Gerade Weil ein Betriebssystem den Computer „verstehen“ muss, um ihn zu steuern, verwende ich dieses Beispiel. Das Nervensystem muss ja auch das Herz „verstehen“ , damit es funktioniert, und dasselbe gilt für einen Herzschrittmacher.
              Was nun wichtiger ist, Sach- oder Steuerungsebene, ist eine müssige Frage, denn sie lässt sich leicht beantworten. Ohne Betriebssystem macht der Computer schlicht gar nichts. Und ohne nervliche Impulsgebung steht das Herz einfach still – Infarkt, Punkt.
              Selbstverständlich erfordert Steuern umfassende Kenntnisse, vor allem über das Steuern selbst und seine Regeln und Gesetze, z. B. über Feedback und Feedforward und vieles mehr. Haben Sie etwas gefunden, wo ich etwas anderes gesagt hätte? Meine bisher geschriebenen Bücher handeln genau davon. Dort stehen übrigens die universellen Regeln, und sogar Naturgesetze des Steuerns – das heisst des Managens – denn das ist identisch. Diese Gesetze gibt es natürlich genauso, wie es Gesetze der Mechanik gibt und Gesetze der Chemie. Und dass gute Manager lange in derselben Firma sind – und umgekehrt, gute Firmen
              Manager haben, die lange dort sind, und daher gute Management/Steuerungsfähigkeiten mit exzellenten Sachkenntnissen zusammenkommen, steht auch in meinen Büchern.
              Sie verwenden beachtenswert viel Energie, um Türen einzurennen, wo es gar keine gibt … Ich danke Ihnen sehr dafür, dass Sie mir so viele Gelegenheiten geben, so tief sitzende Missverständnisse aufzuklären.

              1. Sehr geehrter Herr Malik
                Ja, ich verwende sehr viel Energie um Türen einzurennen, die es meiner Ansicht nach allerdings sehr wohl gibt. Management setzt aus meiner Sicht Sachkenntnisse voraus. Darum sollte man beispielsweise zuerst Sachkenntnisse und dann Managementskills erwerben. Folglich dürfte es auch keine rein management-ausgerichtete Studienrichtungen geben. Ansonsten werden Manager ausgebildet, die sich einbilden, eine Firma zu steuern, ohne die geringsten Sachkenntnisse zu haben. Wie sie erwähnt haben, ist ein Betriebssystem viel wichtiger als ein Programm, das darauf läuft. Entscheidend ist aber,dass das Betriebssystem mehr Sachkenntnisse über einen Computer haben muss als ein Programm. Beim Management ist es jedoch nicht so. Das Management glaubt, eine Firma steurn zu können mit weniger Sachkenntnissen. Insofern finde ich, dass die Analogie zwischen Management und Betriebssystem nicht zulässig ist, weil sie von falschen Annahmen aus geht.

                Insbesondere moderne Firmen im Technologiesektor zeigen, wie wichtig es ist, dass das Management die Materie auch wirklich versteht. Solche Firmen zeigen für mich die Zukunft des Managements auf.

                Mit freundlichen Grüsse
                Peter Müller

                1. Bei mir gibt es solche Türen nicht. Dass es da draussen extrem viel Unfug über Management gibt, weiss ich, und ist Thema in meinen Büchern. Da ich aber nicht weiss, wer Sie sind, und wieviel Sie selbst mit der Theorie und Praxis von Management zu tun haben, und v. a. wie gut Sie meine eigen Managementlehre kennen, möchte ich keine Zeit damit verlieren, mich hier mit den weit verbreiteten Unkenntnissen über richtiges Management zu befassen.
                  Nur noch soviel: Reine managementbezogenen Studienrichtungen gibt es so gut wie überhaupt nicht – im Gegenteil, fast alles ist auf Sachkenntnisse gerichtet. Genau deswegen ist das Mangement insgesamt viel schlechter als es sein könnte.
                  Ich sagte bereits mehrfach , dass Sachkenntnisse wichtig seien. Management bezieht sich ja auf etwas , was man managt. Also muss man das kennen.
                  Aber denken Sie auch an folgendes. Ein Autofahrer muss nichts über Motoren wissen, und Antriebe zund die Elektronik eines Autos wssen, sondern darüber, wie er das Auto im Strassenverkehr steuert. Das Steuern ist Management. Motoren und Antriebe sind die Sachebene.

                  1. Sehr geehrter Herr Professor Malik,
                    schon lange lese ich hier und Ihre Bücher. Für mich sind Ihre Worte bei meiner Arbeit immer wieder erfrischend und erhellend.

                  2. „…Management als Gestalten, Lenken und Entwickeln gesellschaftliche Institutionen…

                    …Gestalten bedeutet, eine Institution überhaupt zu schaffen…

                    …Natürlich muss ein Top-Manager nicht über das handwerkliche Know-how verfügen, …aber wenn er nichts von Produktentwicklung und rationaller Fertigung, Marktbearbeitung…, dann stellt er für das Unternehmen eine echte Gefahr dar… “
                    H.Urlich

                    1. Selbstverständlich ist das frustrierend. Daher habe ich immer die Meinung vertreten, dass Sachwissen und Managementwissen zusammengehören, aber eben doch nicht dasselbe sind,
                      Die Logik ist ganz klar: 1. Supersachwissen, MgmtWissen schlecht = Fachmann, dem man keine Mitarbeiter geben darf. 2. Sachwissen schlecht, SupermgmtWissen = ist abhängig von dem, was ihm andere erzählen, muss blind vertrauen.Als guter Manager wird er aber Wege finden, sich rasch ausreichend einzuarbeiten, denn er muss die Sache ja nicht können, sondern darüber ausreichend Bescheid wissen.
                      Daher ist auch wichtig: SW und MW muss man unterscheiden, aber trennen darf man sie nicht.

                    2. Als Ergänzung, Ihre Illustration mit dem „Auto lenken“ sagen Sie: „…Das Steuern ist Management. Motoren und Antriebe sind die Sachebene…“, und wenn ich Sie Prof. Malik richtig verstanden habe, das es beim Management um das „Gestalten, Lenken und Entwickeln gesellschaftliche Institutionen“ – und wenn ich mich richtig erinnere, es geht um Zweck orientierte komplexe socio-technische sisteme, es hat mich einfach, in der Illustration mit dem Auto gefehl das „Entwickeln und Gestallten“ neben dem „Lenken“ weil ich in unserem beispiel das Auto als Geselschaftliche Institution verstanden habe bzw. sehe, und die muss vom Fahrer (Manager) auch etwickelt und gestallet werden und dan auch gelenkt.

                    3. Ein Auto lenken ist etwas anderes als ein Auto produzieren oder entwerfen. Jede dieser Prozess-PHasen braucht Steuerung = Control = Management. Der Sachprozess ist aber je ganz verschieden.
                      Mein eigenes Auto muss ich zwar lenken, aber weder entwickeln noch gestalten.
                      Für Unternehmen haben wir immer entwickeln, gestalten, lenken verwendet.
                      Das sind 3 verschiedene Facetten desselben = kybernetisch „Control“

            2. Hallo Herr Müller,

              Unabhängig von dem zu regelnden System ist der prinzipielle Aufbau einer Regelung immer identisch und damit universell gültig. Ohne den regelungstechnischen Hintergrund ist es bei noch so detailierten Verständnis von dem zu steuernden System nicht möglich dieses zu regeln.

              Natürlich benötigt man gute Kenntnisse über das zu regelnde System. Dabei denke ich aber eher an das generelle Verhalten des Systems wie an technische Details. Um ein Beispiel zu nennen, die Information über das zeitliche Verhalten der Wärmeströme ist weitaus wichtiger als die detailierte Funktionsweise des Brenners.

              Genauso wie man im technischen Beispiel zwischen der Regelung und dem zu steuernden System unterscheiden kann, sehe ich auch eine Unterscheidung zwischen Management(Regelung) und Sachebene (Systemverhalten). Beides ist wichtig, man kann es unterscheiden, aber nicht trennen.

              Viele Grüße
              Gunter Fritz

              1. Besten Dank, Herr Fritz, für diesen Beitrag. Genau so, wie Sie sagen, ist es. Besoders wichtig ist dabei, dass jede Regelung denselben Gesetzen folgt. Weil Management, so wie ich es verstehe, im Kern immer Regelung ist, gibt es eben das, was ich als „Richtiges und Gutes Management“ bezeichne. „Richtig“ heisst dabei „Das Richtige tun“ und „Gut“ heisst, dieses richtig tun. „Das Richtige richtig tun“ .. In meinen Büchern ist detailliert beschrieben, wie das geht.

    1. Es gab in GR natürlich von Anfang an denkbar schlechte Bedingungen. So war genau an dem Wochenende der Durchführung, wo ja auch der Minister und alle Staatssekretäre voll dabei sein wollten, die Trojka in Athen.
      Ausserdem hatten die Griechen wirklich Null Geld für das Umsetzen und für die Fortsetzung. Nun können wir ja auch nicht ewig pro bono arbeiten. Dennoch wurde innerhalb des Ministeriums viel erreicht.

  4. Lieber Herr Malik, verschiedene Grafiken, wie auch Berichte über die Syntegration lassen mich vermuten, dass Sie das Workshopformat von Beer mit dem Sensitivitätsmodell, VSM, Mewes und ihrem IMS kombiniert haben. Dies wäre auch logisch, da z.B. die gefundenen Maßnahmen im Kontext zum System stehen müssen, um das System an den entscheidenden Stellen zu beeinflussen oder um eine Destabilisierung zu vermeiden. Ich frage mich aber, wo während einer Syntegration Platz für des Sensitivitätsmodell oder der anderen Tools ist. Wie fließen die Ergebnisse dieser Tools in die Syntegration ein? Falls dies funktioniert muss das ganze in der Tat sehr effektiv und effizient sein. Wie das technisch aussieht kann ich mir derzeit aber noch nicht so ganz vorstellen.

    1. Die Zusammenhänge sind in meinem Buch „Strategie“ im 6. Teil beschrieben.
      Um einen Vergleich zu verwenden: Das ursprüngliche (standalone) Syntegrationsverfahren ist gewissermassen der Motor. Gebraucht wird aber ein Auto. Dieses hat über den Motor hinaus viele weiter Systeme, die für das Fahren notwendig sind. Dieses haben wir entwickelt.
      So beiläufig stellte sich dabei heraus, dass wir damit eine, wie wir glauben, ganz neue Methode der empirischen Sozialforschung erfunden haben. Sie ermöglicht es, die „Big Data“, die während einer Syntegration produziert werden, sinnvoll zu erfassen, auszuwerten und ins System zurückzuspielen.
      In welchem Zusammenhang interessieren Sie sich dafür?

      1. Vielen Dank für den Hinweis, ich habe das entsprechende Kapitel gelesen.

        Das Thema Komplexität und der Umgang damit finde ich sehr spannend. Mit dem Einsatz der richtigen Werkzeuge ließen sich viele Probleme besser und vor allem mit weniger negativen Langzeitwirkungen lösen. Davon bin ich überzeugt. Wenn man Syntegration und Sensitivitätsmodell betrachtet, ist es naheliegend beide simultan einzusetzen. Ein Tool schafft das Verständnis über die Zusammenhänge, das andere beschleunigt den demokratischen Prozess. Besonders im öffentlichen und politischen Bereich, egal auf welcher Ebene, ist es so offensichtlich das unterschiedliche Subsysteme zusammenhängen. Trotzdem herrscht ein Unverständnis über das System, die politischen Prozesse sind gelähmt und alle Seiten wiederholen Ihre Argumente, die für sich betrachtet meist richtig sind, aber ohne Gesamtkontext keine Bedeutung haben.

        Wenn die Lösungen dafür gegeben sind, warum wird es nur vereinzelt eingesetzt, wie können diese verbreitet werden und wie können diese zu einem Standardtool weiterentwickelt werden?

        1. Sie haben diese Zusammenhänge sehr gut erkannt.
          Für breiten Einsatz muss Aufnahmebereitschaft vorhanden sein, und die wachsende Einsicht,
          dass es mit den herkömmlichen Methoden nicht mehr weiter geht.
          Das tritt jetzt mehr und mehr ins Blickfeld.

  5. Lieber Herr Professor Malik,
    es wird im Bblog so viel über Wissen, Sachwissen bzw. Managementwissen geschrieben.
    Für mich sind alle ihre eigenen Ausführungen so einleuchtend, dass ich nicht nur jedem Manager raten kann, ihre Bücher umgehend nicht nur zu lesen, sonder auch zu studieren. Ebenso klar und deutlich sind für mich die Ausführungen von Professor Gunnar Heinsohn. Erfreulich konstruktive Beiträge kommen von einigen Blogteilnehmern, teilweise mit Links zu sehr interessanten Beiträgen, vielen Dank dafür. Doch schaut man sich die Welt an, dann muss man feststellen, das der Mensch, obwohl er eigenlich die Krönung der Schöpfung sein sollte, das dümmste und brutalste Wesen bzw. Tier dieses Planeten ist. Ihre angekündigte große Transformation muss kommen oder die Menschheit bringt sich durch ihr heutiges Tun selber um. Die einzig mir bekannte Lösungsmöglichkeit dazu ist meiner Meinung nach ihr Syntegrationsverfahren. Dafür sollten Sie eigentlich den Nobelpreis erhalten. Aber was erfahren wir davon. Einige intelligente und zufunftsorientierte Unternehmer interessieren dafür und setzen ihr System auch ein. Einige Gemeinden bzw. Bezirke ebenso, aber wo ist der große Durchbruch?

  6. Fortsetzung:
    Ich schrieb einmal im Blog, ich glaube es war vor zwei Jahren, diese Jahr damals wird wohl das Jahr der Integration werden.
    Ich weiß nicht wie groß die Konfusion und das Chaos noch werden soll, damit endlich die Menschheit aufwacht und verlangt, so kann es nicht mehr weiter gehen. Egal wo man hinschaut, ob bei uns in Deutschland, oder in den anderen Weltregionen, Dummheit, Dummheit und immer wieder Dummheit. Nur weil machtbessene Figuren oder Einheiten ihre eigene Interessen durchsetzen bzw. umsetzen müssen. Wie sinnlos das ist, könnte man eigentlich an den Reichen und Superreichen festmachen, denn die sind bis auf die wenige Vernünftige, die der Gemeinschaft wieder etwas zurückgeben, die gejagten ihrer eigenen Situation. Was mache ich eigentlich mit meinem Geld und was werden denn meine Erben dann mit meinem ganzen Geld machen? Owei, owei, was für Probleme, wenn ein Großteil der Welt hungert bzw. aus der eigenen Heimat flüchten muss. Wer von den Mächtigen kann sich das für sich vorstellen? Keiner, denn sonst würde sie anders handeln. Das ist es, warum ich will, dass sich die Managementmethoden von Malik und die Erkenntnisse von Heinsohn durchsetzen werden.

    1. Machtbesessenheit, Dummheit, Gier … sicher, all das gibt es und hat es immer gegeben. Es hat bis heute aber auch immer einen Fortschritt gegeben, hin zu mehr Menschlichkeit, mehr Rechtsstaatlichkeit und zu mehr breitem Wohlstand, mehr Bildung, mehr Forschung usw.
      Nicht überall ist es so, aber doch in vielen Ländern. Wenn man nur schon allein an China denkt, und vergleicht, wieviel sich in dem Land von den 1970ern bis heute verbessert hat, so ist das eine bemerkenswerte Leistung, genauso wie in Deutschland von 1945 bis heute.

        1. Ein aufschlussreiches, kurzweiliges Buch: „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ von Yuval Noah Harari. Auf seiner Internetseite hat es weitere spannende Beiträge, u.a. Auswirkungen aktueller technologischer Durchbrüche.

    2. Ich denke, Aufklärung und Rationalismus haben neben all dem Guten, das sie bewirkt haben, auch ihre Schattenseiten.

      Aufklärung und Rationalismus wecken unrealistische Erwartungen, indem sie verkennen, dass der Mensch ein Säugetier ist und mit einem Gehirn denkt: Das bedeutet, dass das Denken den Begrenzungen des Hirns nicht entfliehen kann. Wie auch?

      Sie begründeten das Social Engineering, und im Grunde sind sie nicht nur die Basis für Demokratie und Menschenrechte, sondern auch für die utopistischen Gewaltsysteme wie die Diktatur der Jakobiner, des Kommunismus und letztlich auch der braunen Diktatur, die der Wahnvorstellung nachhing, durch rassistisches Social Engineering die Welt zum „Besseren“ verändern zu können.

      Die Frage ist, inwieweit Social Engineering überhaupt möglich ist. Wo sind die Grenzen der Beeinflussung ganzer Menschengesellschaften?

      Man kann sich möglicherweise viel unnötige Frustration ersparen, wenn man sich über die Grenzen des Social Engineering keine Illusionen macht.

      Inwieweit man das kollektive Verhalten von 7,4 Mrd Menschen exakt steuern, und ob man das „optimale“ Verhalten a priori vorgeben kann, sind Fragen, die für mich längst nicht klar sind.

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