Brexit: Innovationsschub oder faule Kompromisse

Das Abstimmungsergebnis könnte der Anlass für einen lange überfälligen tiefgreifenden Innovationsschub für die fundamentale Erneuerung der EU sein. Dabei meine ich nicht nur die Institutionen in Brüssel, sondern die historisch entstandenen, sich heute selbst blockierenden Beziehungen zwischen den Mitgliedstaaten und der Brüsseler Verwaltung. Das Problem liegt nicht in Brüssel allein, wie man es gerne darstellt. Brüssel ist nur der Ort, wo die Entscheidungen fallen. Die Gründe für die Entscheidungen selbst liegen in den systemisch sich selbst blockierenden Beziehungen zwischen Brüssel und den Regierungen der Mitgliedsländer.

Das kybernetische Funktions-Modell lebensfähiger Systeme wäre das ideale Vorbild für die organisatorische Neugestaltung und für eine funktionierende Governance. Zusammen mit der Transformationskraft der breitflächigen Anwendung der Syntegrationsverfahren würden binnen kurzem die nötigen Wirkungen eintreten.

Mit grösserer Wahrscheinlichkeit wird es jedoch zahlreiche halbherzige und zum Teil faule Kompromisse geben, mit denen man die Konsequenzen des Brexit aushebeln und glattbügeln wird. Zu einem echten Austritt Englands aus der EU wird es kaum kommen.

Wenn die deflationären Zerfallskräfte sich nun beschleunigen, dann wird man die Ursachen im Brexit sehen. In Wahrheit sind sie die unvermeidlichen Folgen der jahrzehntelangen Aufschuldung so gut wie aller Länder. Die Fixierung auf den Brexit macht erneut blind für die wirklichen Ursachen einer lang anhaltenden Deflationsphase.

Autor: F. Malik

"Malik is one of the most influential business thinkers..." (Business Week) "Malik has become the leading expert on Management in Europe... He is a commanding figure - in theory as well as in the practice of Management." (Peter Drucker, Doyen of Management)

3 Gedanken zu „Brexit: Innovationsschub oder faule Kompromisse“

  1. Friedrich Nietzsche hat schon im 19. Jahrhundert erkannt, dass der Typus Architekt dem Typus Schauspieler in der Politik weichen wird. Man könnte auch sagen: Taktik schlägt Strategie. Dies führt unweigerlich in sich selbst verstärkende Krisen. Jede Improvisation löst eine Kaskade anderer aus. Es endet in allgemeiner Kakophonie und Ratlosigkeit. Diese Ratlosigkeit könnte der Ausgangspunkt für den Übergang in ein syntegrativ operierendes Netzwerk sein. Die Syntegration hat den großen Vorzug im laufenden Betrieb eingeführt werden zu können.

    1. Lieber Herr Pfeifenberger, da stimme ich Ihnen vollumfänglich zu. Die heutige Praxis der Demokratie hat unter anderem aus den Gründen, die Sie nennen, keine Zukunft. Wenn wir die Werte der Demokratie retten und wiederbeleben wollen, dann geht das durchaus, wenn man in der Politik andere Instrumente und Methoden verwendet. Insbesondere müssen die Methoden für die Meinungsbildung, Konsensbildung, und Willensbildung den heutigen Komplexitäts-Bedingungen angepasst werden.

  2. Mit (britischem) Humor tragen. Gas Gerd verstirbt. Kommt zu Petrus. „Wo ist mein Platz im Himmel?“ Petrus: „Halt, Du hast die WAHL. Himmel oder Hölle. Schau hier in die HÖLLE“: Petrus Pomerol Magnum, Hummer, Kaviar, Tanz, Weiber…“Jetzt in den HIMMEL“: Feuer, Rauch, Schmerzensschreie…. Schröder: „Klare Wahl, HÖLLE“ Petrus: „In einer Woche treffen wir uns noch mal.“ „Und, Schröder, wie isses?“ „Sauerei, es ist genau umgekehrt, wie Du es mir gezeigt hast. Das ist Wahlbetrug!“ „Tja, Schröder, was Du gesehen hast, war VOR DEINER WAHL.“

    Bevor in die Hände gespuckt wird, brauchen wir politische Klarheit und Ziele wohin die EU will.

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